Ärzte Zeitung online, 14.03.2017
 

Reisemedizin

Fernreisen mit Kleinkindern nicht ohne Risiken

Elternzeit für eine Fernreise nutzen und Kleinkinder mitnehmen? Das ist nicht immer eine gute Idee. Kinder sind etwa durch Malaria oder große Höhen im Gebirge besonders stark bedroht.

Von Angela Misslbeck

BERLIN. Kinderärzte sollten Eltern auch aus eigener Initiative auf Gesundheitsrisiken bei Reisen hinweisen. Dazu rät der Berliner Kinderarzt Dr. Mathias Wagner vom Centrum für Reisemedizin (CRM) aus Anlass der Reisemesse ITB in Berlin.

"Kinderärzte treten hier oft als Anwälte der Kinder auf", sagte Wagner im Vorfeld der ITB. Auch wenn eine Reise mit Kindern kurzfristig geplant ist, sollte noch eine reisemedizinische Beratung beim Kinderarzt erfolgen. Denn vielen Eltern sei nicht bewusst, welchen Gefahren sie ihre Kinder in bestimmten Regionen aussetzen. Wagner berichtet aus seiner Praxis, dass einzelne Eltern nach einer reisemedizinischen Beratung andere Ziele wählen würden. "In der Regel sind die Eltern vernünftig", so Wagner.

Mit Kleinkindern nicht in die Tropen!

Vor allem für Babys und kleine Kinder sind nicht alle Reiseziele geeignet. Das wird im Zuge des Trends zu Elternzeitreisen immer bedeutender. Von Reisen in Malariagebiete rät das CRM mit Babys und Kleinkindern ab. "Malaria verläuft bei Kleinkindern oft schwer und untypisch. Bei Kindern unter drei Monaten kann Malaria beispielsweise auch ohne Fieber auftreten", so Wagner.

Auf keinen Fall sollten Familien in die Hochrisiko-Malariagebiete auf den indonesischen Sunda-Inseln östlich von Lombok bis Papua-Neuguinea und in Ost-, West- und Zentralafrika reisen. Wagner empfiehlt aber ohnehin, bei der Wahl des Reiseziels tropische Regionen mit kleinen Kindern ganz zu meiden. Denn sie sind weniger anpassungsfähig an Hitze, empfindlicher gegenüber UV-Strahlung und häufiger von schwerwiegenden Durchfallerkrankungen betroffen.

Wenn die Tropen-Reise mit kleinen Kindern – etwa aus familiären oder beruflichen Gründen – unvermeidbar ist, sollten Kinderärzte den Impfstatus prüfen. In solchen Fällen übernehmen die meisten Krankenkassen auch die Kosten für Reiseschutzimpfungen.

Unter Umständen seien auch Impfungen außerhalb der Zulassung zu prüfen, wie etwa die Impfung gegen Meningokokken-Meningitis, für die in den USA ein Wirkstoff schon ab zwei Lebensmonaten zugelassen sei, in Deutschland aber erst ab einem Jahr, berichtete Wagner in Berlin.

Erst im Schulalter in große Höhen!

Ähnlich gefährlich wie Reisen in Malariaregionen können Wagner zufolge Reisen in Höhenlagen über 2500 Metern für Kinder unter fünf Jahren werden. Denn die Höhenkrankheit geht wie die Malaria bei kleinen Kindern mit unspezifischen Symptomen einher. Hinzu kommt: "Ein Kind kann das unter Umständen gar nicht richtig äußern", so Wagner. Der Himalaya und der lateinamerikanische Altiplano müssen bei der Familienreise also warten, bis das Kind ins Vorschulalter kommt. "Ab dem Schulalter wird es leichter", sagt Wagner.

Lässt sich eine solche Reise nicht vermeiden, rät Wagner zu einer langsamen Höhenakklimatisierung mit höchstens 300 Höhenmeter Aufstieg pro Tag.

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