Reisemedizin

Fernreisen mit Kleinkindern nicht ohne Risiken

Elternzeit für eine Fernreise nutzen und Kleinkinder mitnehmen? Das ist nicht immer eine gute Idee. Kinder sind etwa durch Malaria oder große Höhen im Gebirge besonders stark bedroht.

Von Angela MisslbeckAngela Misslbeck Veröffentlicht:

BERLIN. Kinderärzte sollten Eltern auch aus eigener Initiative auf Gesundheitsrisiken bei Reisen hinweisen. Dazu rät der Berliner Kinderarzt Dr. Mathias Wagner vom Centrum für Reisemedizin (CRM) aus Anlass der Reisemesse ITB in Berlin.

"Kinderärzte treten hier oft als Anwälte der Kinder auf", sagte Wagner im Vorfeld der ITB. Auch wenn eine Reise mit Kindern kurzfristig geplant ist, sollte noch eine reisemedizinische Beratung beim Kinderarzt erfolgen. Denn vielen Eltern sei nicht bewusst, welchen Gefahren sie ihre Kinder in bestimmten Regionen aussetzen. Wagner berichtet aus seiner Praxis, dass einzelne Eltern nach einer reisemedizinischen Beratung andere Ziele wählen würden. "In der Regel sind die Eltern vernünftig", so Wagner.

Mit Kleinkindern nicht in die Tropen!

Vor allem für Babys und kleine Kinder sind nicht alle Reiseziele geeignet. Das wird im Zuge des Trends zu Elternzeitreisen immer bedeutender. Von Reisen in Malariagebiete rät das CRM mit Babys und Kleinkindern ab. "Malaria verläuft bei Kleinkindern oft schwer und untypisch. Bei Kindern unter drei Monaten kann Malaria beispielsweise auch ohne Fieber auftreten", so Wagner.

Auf keinen Fall sollten Familien in die Hochrisiko-Malariagebiete auf den indonesischen Sunda-Inseln östlich von Lombok bis Papua-Neuguinea und in Ost-, West- und Zentralafrika reisen. Wagner empfiehlt aber ohnehin, bei der Wahl des Reiseziels tropische Regionen mit kleinen Kindern ganz zu meiden. Denn sie sind weniger anpassungsfähig an Hitze, empfindlicher gegenüber UV-Strahlung und häufiger von schwerwiegenden Durchfallerkrankungen betroffen.

Wenn die Tropen-Reise mit kleinen Kindern – etwa aus familiären oder beruflichen Gründen – unvermeidbar ist, sollten Kinderärzte den Impfstatus prüfen. In solchen Fällen übernehmen die meisten Krankenkassen auch die Kosten für Reiseschutzimpfungen.

Unter Umständen seien auch Impfungen außerhalb der Zulassung zu prüfen, wie etwa die Impfung gegen Meningokokken-Meningitis, für die in den USA ein Wirkstoff schon ab zwei Lebensmonaten zugelassen sei, in Deutschland aber erst ab einem Jahr, berichtete Wagner in Berlin.

Erst im Schulalter in große Höhen!

Ähnlich gefährlich wie Reisen in Malariaregionen können Wagner zufolge Reisen in Höhenlagen über 2500 Metern für Kinder unter fünf Jahren werden. Denn die Höhenkrankheit geht wie die Malaria bei kleinen Kindern mit unspezifischen Symptomen einher. Hinzu kommt: "Ein Kind kann das unter Umständen gar nicht richtig äußern", so Wagner. Der Himalaya und der lateinamerikanische Altiplano müssen bei der Familienreise also warten, bis das Kind ins Vorschulalter kommt. "Ab dem Schulalter wird es leichter", sagt Wagner.

Lässt sich eine solche Reise nicht vermeiden, rät Wagner zu einer langsamen Höhenakklimatisierung mit höchstens 300 Höhenmeter Aufstieg pro Tag.

Mehr zum Thema

Aufbruch in neue Ära?

Therapie mit Darmhormonen für adipöse Diabetiker

Das könnte Sie auch interessieren
Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

© Pascoe Naturmedizin

Vitamin-C-Therapie

Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

Anzeige | Pascoe Naturmedizin
Claudia Vollbracht, Humanbiologin und medizinische Wissenschaftlerin beim Unternehmen Pascoe

© [M] Privat; Levan / stock.adobe.com

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Wie Vitamin-C-Infusionen bei COVID-19 helfen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pascoe
Das sagt die Wissenschaft: Vitamin C und COVID-19

© Maksim Tkachenko / Getty Images / iStock

SARS-CoV-2 und COVID-19

Das sagt die Wissenschaft: Vitamin C und COVID-19

Anzeige | Pascoe Naturmedizin
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Schwangere ab dem 2. Trimenon gehören jetzt offiziell zu den Zielgruppen für die COVID-Impfung.

© New Africa / stock.adobe.com

STIKO-Empfehlung

So sollten Schwangere gegen COVID-19 geimpft werden

„Wenn eine Impfpflicht nicht gewollt ist – und ich will sie auch nicht –, dann gibt es politisch nur eine Alternative: Die Aufhebung aller staatlich veranlassten Restriktionen“: KBV-Vize Dr. Stephan Hofmeister.

© Stepanie Pilick / Springer Medizin Verlag

Vertreterversammlung

KBV-Vorstand fordert: Alle staatlichen Corona-Maßnahmen aufheben!

In der Rheuma-Therapie geht es zunehmend um sehr personalisierte Therapiekonzepte, die rasch komplex und anspruchsvoll werden können.

© Iuliia / stock.adobe.com

DGRh-Kongress

Immer komplexere Rheuma-Versorgung ist der Preis des Erfolgs