Ärzte Zeitung online, 28.04.2017
 

Forschung an Fischen

Darmflora könnte Altern beeinflussen

Mit Mikroorganismen junger Fische lässt sich die Lebenserwartung älterer Artgenossen verlängern.

KÖLN. Forscher haben an Fischen den Einfluss der Darmflora auf das Altern und die Lebensspanne untersucht. Ihren Ergebnissen zufolge bleiben alte Tiere länger aktiv und leben länger, wenn sie die Darmbakterien junger Artgenossen erhalten, teilt das Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns mit. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Mikroorganismen im Darm das Altern eines Organismus beeinflussen.

Die Darmflora des Türkisen Killifischs ähnelt in ihrer Artenvielfalt und Zusammensetzung der des Menschen. Die Mikroorganismen beeinflussen im Darm unter anderem die Aufnahme von Nahrung, den Stoffwechsel und die Immunabwehr. Mit dem Alter verändert sich ähnlich wie beim Menschen die Zusammensetzung der Bakteriengemeinschaft: Während in der Jungend viele verschiedene Bakterienarten für einen gesunden Darm sorgen, nimmt diese Diversität im Alter nicht nur ab, unter den vorhandenen Bakterien befindet sich auch ein größerer Anteil an Krankheitserregern.

Wissenschaftler um Dario Valenzano vom Kölner Max-Planck-Institut haben die Darmbakterien von etwas über neun Wochen alten Killifischen mit einem Antibiotikum abgetötet und diese mittelalten Tiere dann in einem Becken den Exkrementen jüngerer, 6 Wochen alter Artgenossen ausgesetzt (bioRxiv 2017; online 27. März). Mit dem umherschwimmenden Kotresten nahmen die Tiere zwangsläufig auch die Darmbakterien auf. So wurden die Bakterien der jungen Fische erfolgreich in den Darm der älteren "transplantiert".

Ältere Fische mit der jungen Darmflora leben nicht nur rund 40 Prozent länger als Fische, die nur ihrer eigenen Darmflora oder der gleichaltriger Tiere ausgesetzt waren, heißt es in der Mitteilung des Instituts. Sie sind auch im für die Killifische greisen Alter von 16 Wochen noch so agil wie junge Fische. Umgekehrt scheinen die Mikroben aus dem Darm älterer Fische keinen Einfluss auf die Lebenserwartung jüngerer Tiere zu haben.

Wie genau die Mikroben die Lebensdauer beeinflussen, ist noch unklar. "Möglicherweise kann ein alterndes Immunsystem die Mikroorganismen im Darm schlechter beschützen, so dass mit der Zeit Krankheitserreger überhand nehmen. Die Darmflora aus einem jungen Organismus könnte dies verhindern, indem sie das Immunsystem unterstützt und Entzündungen blockiert. Dies würde zu einer längeren Lebenserwartung und besserer Gesundheit führen", wird Valenzano zitiert. (eb)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Statine mit antibakterieller Wirkung

Die kardiovaskuläre Prävention mit einem Statin schützt möglicherweise auch vor Staphylococcus-aureus-Bakteriämien. Das hat eine dänische Studie ergeben. mehr »

Das steht in der neuen Hausarzt-Leitlinie

Die brandneue S3-Leitlinie Multimorbidität stellt den Patienten als "großes Ganzes" in den Mittelpunkt – und gibt Ärzten eine Gesprächsanleitung an die Hand. mehr »

Jamaika – Paritätische Finanzierung ist vom Tisch

Ein neues Sondierungspapier zeigt: Die potenziellen Jamaika-Partner suchen nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner in der Gesundheitspolitik. mehr »