Forschung und Praxis, 28.10.2005
 

TNF-α-Blocker greift gezielt in den Entzündungsprozeß bei Morbus Crohn ein

Für Patienten mit Morbus Crohn steht vermutlich in absehbarer Zeit eine weitere Therapieoption zur Verfügung: der neu entwickelte TNF-α-Blocker Certolizumab pegol (CDP-870).

Bei der Entwicklung neuer Therapiewege ist der gezielte Eingriff in den Entzündungsprozeß eine Möglichkeit, so Professor Stefan Schreiber von der Universität Kiel auf einem Symposium des Unternehmens UCB in Köln. Wie bereits bei anderen Erkrankungen konnte auch bei entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn der Tumornekrosefaktor α (TNF-α) als wesentlicher Mediator entzündlicher Prozesse identifiziert werden.

Dieses proinflammatorische Zytokin aktiviert viele Entzündungsgene und führt so zu einem Fortschreiten entzündlicher Prozesse, erläuterte Schreiber. Bei Patienten mit Morbus Crohn ist TNF-α bereits vor Beginn der klinischen Symptomatik hochreguliert.

Und: Es treten gerade bei Patienten mit erhöhten TNF-α- Spiegeln während der Remission vermehrt neue Schübe auf. Inzwischen seien mehrere Substanzen entwickelt worden, die TNF-α blockieren können, so der Gastroenterologe. Darunter auch Certolizumab pegol.

Der subkutan verabreichte TNF-α-Blocker hat sich in Studien zur Akut- sowie zur Erhaltungstherapie als gut wirksam erwiesen. An diesen Studien nahmen insgesamt 1330 Patienten mit mittelschwerem oder schwerem Morbus Crohn teil. Das Maß für die Wirksamkeit des TNF-α-Hemmers war unter anderem das klinische Ansprechen, gemessen mit dem Crohn’s Disease Activity Index (CDAI) und der Rückgang der CRP-Konzentration als Zeichen für die gebremste Entzündungsaktivität.

Certolizumab ist ein humanisiertes Antikörperfragment, das TNF-α bindet und blockiert. Der monoklonale Antikörper besteht lediglich aus dem TNF-bindenden Fab-Fragment. Dadurch erhöht sich die Gewebegängigkeit des Wirkstoffs. Der Rest des Proteins wurde durch eine Pegylierung ersetzt, um so die Halbwertszeit im Plasma zu erhöhen.

Die Zulassungsunterlagen für Certolizumab pegol sollen nach Angaben des Unternehmens in den nächsten Monaten bei den Zulassungsbehörden in Europa und in den USA eingereicht werden. (otc)

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