Ärzte Zeitung online, 18.06.2018

Chronische Darmentzündung

Fatigue bei CED ist mehr als nur Müdigkeit

Die medikamentöse antientzündliche Therapie bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Doch die Lebensqualität Betroffener wird nicht nur durch die Darmsymptome, sondern auch durch Fatigue wesentlich beeinträchtigt.

Von Peter Stiefelhagen

MANNHEIM. Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED) bedeuten für die meist jüngeren Patienten wegen des rezidivierenden Krankheitsverlaufs eine starke Beeinträchtigung der Lebensqualität. Dies resultiert zum einen aus Symptomen wie Schmerzen, Diarrhoe oder Hämatochezie, zum anderen aber auch aus den Komplikationen und den Nebenwirkungen der Therapie.

Die Behandlung bei CED konzentriert sich deshalb auf die Reduktion der Beschwerden und auf die Besserung des endoskopischen und histologischen Befundes, wobei neuerdings auch Laborparameter wie CRP und Calprotectin in die Steuerung der Therapie miteinbezogen werden.

"Gesundheit ist aber mehr als die Abheilung der Darmschleimhaut und die Normalisierung der Laborparameter", so Professor Andreas Stallmach von der Universitätsklinik in Jena. Wichtig sei auch die Beurteilung patientenrelevanter Endpunkte und dazu gehöre auch die Fatigue.

Mehr als Müdigkeit

Fatigue ist mehr als Müdigkeit. Der Begriff beschreibt einen Zustand von erschöpften Kraftreserven verbunden mit einem erhöhten Ruhebedürfnis und einer Einschränkung der Leistungsfähigkeit. "Entsprechende Untersuchungen haben gezeigt, dass mehr als jeder Zweite mit einer CED unter Fatigue leidet", so Stallmach bei einer von der Falk Foundation unterstützten Veranstaltung in Mannheim.

Die Fatigue-Prävalenz hänge aber stark von der Krankheitsaktivität und der Behandlung ab. In der Wichtigkeit der verschiedenen Symptome wurde Fatigue schwerer gewertet als die Symptome "Stuhlgang" und "dringlicher Stuhlgang". Deshalb sei es, so Stallmach, wichtig, die Erfassung dieses Symptoms mit Hilfe einfacher Fragebögen in den Sprechstundenalltag zu integrieren.

Es gibt eine Reihe von Faktoren, die Fatigue begünstigen oder sogar auslösen. Dazu gehören die Krankheitsaktivität, Medikamente, Symptome, gestörter Schlaf, Anämie und Ernährungsdefizite. "Eine gegen diese Faktoren gerichtete Therapie kann die Fatigue-Symptome reduzieren", so Stallmach.

Dazu gehören neben einer effektiven Entzündungshemmung, zum Beispiel mit Mesalazin (Salofalk®), Azathioprin (Azafalk®) oder Biologika auch die Behandlung der Anämie beziehungsweise des Eisenmangels durch entsprechende Substitution. Auch sportliche Aktivitäten sind empfehlenswert. Eine spezifische gegen Fatigue gerichtete medikamentöse Therapie gibt es nicht.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Wer viel Wasser trinkt, beugt Harnwegsinfekten vor

Den Ratschlag, viel zu trinken, sollten sich Frauen nicht nur während eines Harnwegsinfektes zu Herzen nehmen. Auch wer danach reichlich Wasser trinkt, profitiert davon. mehr »

In der Praxis oftmals auch knifflige Fälle

Die Regeln, wie und wann ein Arzt einen Patienten krankschreiben darf, sind in der Arbeitsunfähigkeits-Richtlinie festgehalten. In der Praxis gibt es jedoch viele knifflige Fälle. mehr »

Handlungsbedarf bei Chronikerpauschale!

Die Chronikerzuschläge für Hausärzte bleiben eine der dringendsten Hausaufgaben für die Selbstverwaltung. Es wird Zeit, die alten bürokratischen Zöpfe abzuschneiden, meint unser Abrechnungsexperte. mehr »