Ärzte Zeitung, 10.02.2004

Betreuung nach Suizidversuch hat oft Defizite

Start psychiatrischer Therapie häufig erst verzögert / Anteil Älterer bei Suiziden wächst

MÜNCHEN (sto). Zwar sind die Suizidraten in Deutschland in den vergangenen Jahren leicht rückläufig. Der Anteil Älterer bei Suiziden ist jedoch steigend. Und: Viele Patienten werden nach einem Suizidversuch nicht ausreichend behandelt.

Besonders dramatisch ist der Anstieg bei älteren Frauen. Jede zweite Frau, die sich das Leben nimmt, sei über 60 Jahre alt, sagte Professor Armin Schmidtke aus Würzburg bei der Verleihung des Hermann-Simon-Preises für Sozialpsychiatrie an das "Nürnberger Bündnis gegen Depression". Der Preis wurde vom Unternehmen Lundbeck gestiftet.

Kritisch äußerte sich der Psychiater zur Behandlung von Patienten nach einem Suizidversuch. Männern würde häufiger eine stationäre Behandlung empfohlen, Frauen würden dagegen meist auf eine ambulante Behandlung verwiesen. Doch oft würden die Patienten nach einer stationären Aufnahme durch den Notarzt lediglich mit allgemeinen Empfehlungen entlassen.

Das Problem, so Schmidtke: Häufig würde nicht erkannt, daß die Patienten auch einige Zeit nach einem Suizidversuch psychiatrische Behandlung bräuchten. Notwendige Therapien werden so oft erst mit erheblicher Verzögerung begonnen. Deshalb sollten sich Ärzte, die Patienten direkt nach einem Suizidversuch behandeln, auch aktiv um die weitere Betreuung kümmern und nicht nur Empfehlungen aussprechen, sagte der Psychiater.

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