Ärzte Zeitung, 09.09.2015

Expertin rät

Vorsicht bei der Lustpille für die Frau

BERLIN. Angesichts des enthaltenen Antidepressivums warnen Psychopharmaka-Experten vor einer vorschnellen Vergabe der Lustpille für die Frau.

"Da muss man Nutzen und Nebenwirkungen abwägen", sagte die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), Iris Hauth, aus Anlass eines Symposiums zu Psychopharmaka am Dienstag in Berlin.

Das auch "Viagra für die Frau" genannte Mittel enthält mit Flibanserin ein Psychopharmakon, das eigentlich als Antidepressivum gedacht ist. "Es hat natürlich Nebenwirkungen und kann bei gleichzeitiger Einnahme von anderen Medikamenten - auch von der Pille - deren Wirkung beeinflussen."

Flibanserin wurde vom deutschen Hersteller Boehringer Ingelheim entwickelt - als Mittel gegen Depressionen. Die luststeigernde Wirkung wurde erst später bekannt.

Unmittelbar nach der US-Marktzulassung der Lustpille für die Frau wurde deren Hersteller Ende August vom kanadischen Pharmakonzern Valeant übernommen.

Der Expertin zufolge hat sexuelle Lustlosigkeit häufig psychische statt körperliche Ursachen. Ein psychotherapeutisches Gespräch sei daher möglicherweise sinnvoller als die Einnahme der Lustpille.

Hauth: "Da wäre ich sehr zurückhaltend." (dpa)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Freizeitsportler gefährden ihre Herzgesundheit mit Doping

Fast jeder sechste Freizeitsportler nimmt inzwischen herzschädigende Arzneimittel zur Verbesserung von Fitness und Körperoptik. Vor allem der Anteil weiblicher User steigt. mehr »

Kassen und Ärzte trennen beim Honorar "Äonen"

Heute beginnen die Verhandlungen von Vertragsärzten und Krankenkassen über das Honorar 2019. Eine schnelle Einigung scheint nicht in Sicht. mehr »

Welche Bakterien mit uns U-Bahn fahren

In der Hongkonger U-Bahn sind morgens andere Keime zu finden als im abendlichen Berufsverkehr. Gefährlicher sind Metro-Linien mit höherem Verkehrsaufkommen aber wohl nicht, wie eine Studie ergeben hat. mehr »