Ärzte Zeitung, 04.10.2016

Neuroborreliose

Unnötiges Risiko bei Langzeittherapie

Eine Neuroborreliose verläuft bei vielen Patienten gutartig. Bei der Langzeittherapie gibt es allerdings ein unnötiges Risiko.

Risiko bei Langzeittherapie!

Borreliose-Bakterien werden durch einen Zeckenstich auf den Menschen übertragen. Eine Neuroborreliose ist bei gesicherter Diagnose allerdings gut behandelbar.

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BERLIN. Zur Neuroborreliose liegen mehrere aktuelle systematische Reviews vor. Sie zeigen, dass Patienten mit liquordiagnostisch gesicherter Neuroborreliose überwiegend gutartige Krankheitsverläufe aufweisen, teilt die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) mit.

Des Weiteren bestätigen sie, dass die bisher empfohlene Antibiotika-Therapiedauer von zwei bis drei Wochen ausreichend ist. "Eine längere oder intensivere Antibiotikatherapie bringt keinen Zusatznutzen, sondern setzt die Patienten aufgrund der Nebenwirkungen einem unnötigen Risiko aus", wird der Neuroborreliose-Spezialist Professor Sebastian Rauer vom Universitätsklinikum Freiburg in der Mitteilung zitiert.

Leitlinie wird überarbeitet

Die S1-Leitlinie zur Neuroborreliose der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) wird derzeit unter anderem auf der Basis obiger Daten überarbeitet und zu einer S3-Leitlinie weiterentwickelt, heißt es in der DGN-Mitteilung. Die Fertigstellung ist für Anfang des kommenden Jahres geplant.

Seit Jahren gibt es zahlreiche Patienten und ärztliche Kollegen, die chronische Beschwerden wie Fatigue, Neurasthenie, Konzentrationsstörungen, Fibromyalgie sowie weitere unspezifische Symptome auf eine vermeintliche chronische Borrelieninfektion zurückführen.

"Oft sind nicht indizierte wochen- oder monatelange Antibiotikagaben, zum Teil in Kombination mit mehreren Substanzen, die Folge", sagt Rauer, der leitender Oberarzt der Neurologischen Universitätsklinik Freiburg ist.

Gute Verläufe bei gesicherter Diagnose

Vor diesem Hintergrund wurde die Prognose der Neuroborreliose in Zusammenarbeit mit dem deutschen Cochrane-Institut durch eine umfangreiche systematische Auswertung vorhandener Therapie- und Verlaufsstudien mit insgesamt 1311 eingeschlossenen Patienten untersucht.

Dabei zeigte sich der DGN-Mitteilung zufolge, dass Patienten mit einer liquordiagnostisch gesicherten Neuroborreliose überwiegend gutartige Krankheitsverläufe aufwiesen. Dagegen fanden sich deutlich häufiger ungünstige Verläufe mit unspezifischen Beschwerden bei Patienten, bei denen die Diagnose einer Neuroborreliose lediglich vermutet und nicht durch eine Liquoruntersuchung bestätigt wurde.

"Wir können davon ausgehen, dass bei letzteren Patienten oftmals keine Neuroborreliose, sondern eine andere Erkrankung, die nicht auf Antibiotika anspricht, zugrunde liegt", sagt Rauer. Der gutartige Langzeitverlauf der Neuroborreliose wurde außerdem durch eine monozentrische klinische Verlaufsstudie aktuell bestätigt.

Doxycyclin oral als Frühtherapie

Des Weiteren hat eine systematische Auswertung der vorliegenden Antibiotika-Therapiestudien ergeben, dass eine Therapiedauer von zwei bis drei Wochen ausreichend ist. "Das bestätigt die bisherigen Empfehlungen. Es ergeben sich keine Anhaltspunkte dafür, dass die von manchen Kollegen durchgeführte Langzeittherapie oder die Kombination von Antibiotika für die Patienten einen Vorteil bringt", sagt Rauer.

Darüber hinaus bestätigt die Auswertung, dass zur Behandlung von Patienten mit früher Neuroborreliose das oral applizierbare Doxycyclin gleichermaßen wirksam und verträglich ist wie die intravenös zu verabreichenden Betalaktam-Antibiotika.

Ob Doxycyclin auch bei der seltenen späten Neuroborreliose (weniger als zwei Prozent aller Neuroborreliose-Fälle) ausreichend ist, lässt sich aufgrund der geringen Fallzahlen dieser Manifestation nicht abschließend prüfen. Hinweise für eine unzureichende Wirkung ergaben sich allerdings auch für diese Manifestation nicht, heißt es weiter in der DGN-Mitteilung. (eb)

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