Direkt zum Inhaltsbereich

Neuroborreliose

Unnötiges Risiko bei Langzeittherapie

Eine Neuroborreliose verläuft bei vielen Patienten gutartig. Bei der Langzeittherapie gibt es allerdings ein unnötiges Risiko.

Veröffentlicht:
Borreliose-Bakterien werden durch einen Zeckenstich auf den Menschen übertragen. Eine Neuroborreliose ist bei gesicherter Diagnose allerdings gut behandelbar.

Borreliose-Bakterien werden durch einen Zeckenstich auf den Menschen übertragen. Eine Neuroborreliose ist bei gesicherter Diagnose allerdings gut behandelbar.

© photos.com

BERLIN. Zur Neuroborreliose liegen mehrere aktuelle systematische Reviews vor. Sie zeigen, dass Patienten mit liquordiagnostisch gesicherter Neuroborreliose überwiegend gutartige Krankheitsverläufe aufweisen, teilt die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) mit.

Des Weiteren bestätigen sie, dass die bisher empfohlene Antibiotika-Therapiedauer von zwei bis drei Wochen ausreichend ist. "Eine längere oder intensivere Antibiotikatherapie bringt keinen Zusatznutzen, sondern setzt die Patienten aufgrund der Nebenwirkungen einem unnötigen Risiko aus", wird der Neuroborreliose-Spezialist Professor Sebastian Rauer vom Universitätsklinikum Freiburg in der Mitteilung zitiert.

Leitlinie wird überarbeitet

Die S1-Leitlinie zur Neuroborreliose der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) wird derzeit unter anderem auf der Basis obiger Daten überarbeitet und zu einer S3-Leitlinie weiterentwickelt, heißt es in der DGN-Mitteilung. Die Fertigstellung ist für Anfang des kommenden Jahres geplant.

Seit Jahren gibt es zahlreiche Patienten und ärztliche Kollegen, die chronische Beschwerden wie Fatigue, Neurasthenie, Konzentrationsstörungen, Fibromyalgie sowie weitere unspezifische Symptome auf eine vermeintliche chronische Borrelieninfektion zurückführen.

"Oft sind nicht indizierte wochen- oder monatelange Antibiotikagaben, zum Teil in Kombination mit mehreren Substanzen, die Folge", sagt Rauer, der leitender Oberarzt der Neurologischen Universitätsklinik Freiburg ist.

Gute Verläufe bei gesicherter Diagnose

Vor diesem Hintergrund wurde die Prognose der Neuroborreliose in Zusammenarbeit mit dem deutschen Cochrane-Institut durch eine umfangreiche systematische Auswertung vorhandener Therapie- und Verlaufsstudien mit insgesamt 1311 eingeschlossenen Patienten untersucht.

Dabei zeigte sich der DGN-Mitteilung zufolge, dass Patienten mit einer liquordiagnostisch gesicherten Neuroborreliose überwiegend gutartige Krankheitsverläufe aufwiesen. Dagegen fanden sich deutlich häufiger ungünstige Verläufe mit unspezifischen Beschwerden bei Patienten, bei denen die Diagnose einer Neuroborreliose lediglich vermutet und nicht durch eine Liquoruntersuchung bestätigt wurde.

"Wir können davon ausgehen, dass bei letzteren Patienten oftmals keine Neuroborreliose, sondern eine andere Erkrankung, die nicht auf Antibiotika anspricht, zugrunde liegt", sagt Rauer. Der gutartige Langzeitverlauf der Neuroborreliose wurde außerdem durch eine monozentrische klinische Verlaufsstudie aktuell bestätigt.

Doxycyclin oral als Frühtherapie

Des Weiteren hat eine systematische Auswertung der vorliegenden Antibiotika-Therapiestudien ergeben, dass eine Therapiedauer von zwei bis drei Wochen ausreichend ist. "Das bestätigt die bisherigen Empfehlungen. Es ergeben sich keine Anhaltspunkte dafür, dass die von manchen Kollegen durchgeführte Langzeittherapie oder die Kombination von Antibiotika für die Patienten einen Vorteil bringt", sagt Rauer.

Darüber hinaus bestätigt die Auswertung, dass zur Behandlung von Patienten mit früher Neuroborreliose das oral applizierbare Doxycyclin gleichermaßen wirksam und verträglich ist wie die intravenös zu verabreichenden Betalaktam-Antibiotika.

Ob Doxycyclin auch bei der seltenen späten Neuroborreliose (weniger als zwei Prozent aller Neuroborreliose-Fälle) ausreichend ist, lässt sich aufgrund der geringen Fallzahlen dieser Manifestation nicht abschließend prüfen. Hinweise für eine unzureichende Wirkung ergaben sich allerdings auch für diese Manifestation nicht, heißt es weiter in der DGN-Mitteilung. (eb)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Motivierende Gesprächsführung

Wie motiviere ich Patienten mit Depression zu Sport?

Das könnte Sie auch interessieren
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

© AndreasReh, Ljupco, tinydevil, shapecharge | istock

rHWI

Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

© Dr_Microbe | Adobe Stock

In vitro-Studien

Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Tab. 1: Stufentherapieschema zur verlaufsmodifizierenden Therapie der generalisierten Myasthenia gravis

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Generalisierte Myasthenia gravis

Krankheitssymptome und Therapielast wirksam lindern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Dr_Microbe / stock.adobe.com

© Dr_Microbe / stock.adobe.com

Fünf Jahre orale Therapie mit Risdiplam

Breite Anwendbarkeit bei 5q-assoziierter SMA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Abb. 1: Wirksamkeit in der klinischen Praxis von Brivaracetam über 12 Monate (alle Formen fokaler Anfälle)d

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Zusatzbehandlung fokaler Epilepsien

Effektivere Anfallskontrolle in der Kombinationstherapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: UCB Pharma GmbH, Monheim
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Elternzeit, Krankheitsvertretung und Co.

Befristete Arbeitsverträge: Welche Fehler Sie vermeiden sollten

Ernährungsberatung

Schilddrüse: Vegane Ernährung verschärft Jodmangel

Übergriffiges Verhalten im Gesundheitswesen

Medizinstudentin zu sexueller Belästigung: „Ich möchte beim Ärztetag nicht mit ,Hase‘ angesprochen werden“

Lesetipps
Ein Stapel mit vielen Büchern

© Frank Rumpenhorst/dpa

State-of-the-Art

Was in den Praxisempfehlungen und Leitlinien der DDG neu ist

Blick über die Schulter eines Trompeters, der ein Konzert spielt.

© Kitreel / Stock.adobe.com

Vielfalt der Musikermedizin

Ihr Patient ist Musiker? Was dann relevant werden könnte