Ärzte Zeitung online, 14.03.2017

Uni Bonn

Probanden für Studie zu Sozialer Phobie gesucht

BONN. Forscher der Uni Bonn haben Hinweise auf ein Gen gefunden, das vermutlich mit Sozialer Phobie in Zusammenhang steht. Es kodiert einen Serotonin-Transporter im Gehirn (Psychiatric Genetics 2017, online 7. März). Interessanterweise dämpft dieser Botenstoff Angstgefühle und Depressivität. Die Wissenschaftler wollen diese Ursache genauer erforschen und suchen deshalb Personen aus ganz Deutschland, die unter sozialer Ängstlichkeit leiden ( ≥18 Jahre alt), als weitere Studienteilnehmer. Soziale Phobien zählen zu den psychischen Störungen, die gleichzeitig durch genetische und umweltbedingte Faktoren ausgelöst werden, erinnert die Uni Bonn in einer Mitteilung. Zusammen mit der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Uniklinikums Bonn führt Dr. Andreas Forstner vom Institut für Humangenetik der Universität Bonn eine Studie zu den genetischen Ursachen der Sozialen Phobie durch.

Das Forscherteam untersuchte das Erbgut von 321 Patienten und verglich es mit dem von 804 Kontrollpersonen. Im Fokus standen dabei sogenannte Einzelnukleotid-Polymorphismen (englisch Single Nucleotide Polymorphisms, SNPs). "Es handelt sich dabei um variable Stellen im Erbgut, die bei verschiedenen Menschen in unterschiedlicher Ausprägung vorliegen können", erklärt Forstner.

Genetisch bedingte Erkrankungen haben häufig in den SNPs ihre Ursache. Die Forscher untersuchten insgesamt 24 SNPs, die im weitesten Sinn als Ursache Sozialer Phobien und anderer psychischer Störungen in Verdacht stehen. Dabei ergaben sich Hinweise darauf, dass ein SNP am Serotonin-Transporter-Gen SLC6A4 bei der Entstehung der Sozialen Phobie beteiligt ist.

Dieses Gen kodiert einen Mechanismus, der am Transport von Serotonin beteiligt ist. Diese Substanz dämpft ja unter anderem Angstgefühle und depressive Verstimmungen. "Das Ergebnis untermauert Hinweise vorangegangener Studien, dass Serotonin bei der Sozialen Phobie eine wichtige Rolle spielt", wird Privatdozent Dr. Rupert Conrad von der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie zitiert.

Die Wissenschaftler wollen nun noch genauer untersuchen, wie die Zusammenhänge zwischen Erbgut und Sozialer Phobie sind.(eb)

Kontakt: Tel. 0228/28714605 oder E-Mail SocialPhobiaResearch@ukbonn.de

www.SocialPhobiaResearch.de

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Dieses Training hält jung

Forscher haben in einer Studie Trainingsformen identifiziert, die die Zellalterung verlangsamen: Wer sein Leben verlängern will, sollte wohl eher aufs Laufband als in die Muckibude. mehr »

Zoster-Impfempfehlung für Senioren und chronisch Kranke!

Gürtelrose ist weit verbreitet und die Therapiemöglichkeiten gegen die neuropathischen Schmerzen sind begrenzt. Die STIKO rät daher nun zum Impfschutz in Risikogruppen. mehr »

Widerspruchsregelung spaltet Ethikrat

Auch im Deutschen Ethikrat wird über die Organspende kontrovers diskutiert: Manche Mitglieder sehen eine Widerspruchslösung pragmatisch und als zumutbar für die Bürger, andere Probleme mit der Verfassung. mehr »