Ärzte Zeitung online, 09.11.2017

Soziales Chamäleons

Sympathie und Nachahmung hängen zusammen

Sympathie und Nachahmung hängen zusammen

Menschen, die das non-verbale Verhalten Anderer bewusst spiegeln, heißen soziale Chamäleons.

© Eric Isselée / Fotolia

LEIPZIG. Die spontane Nachahmung des verbalen und nonverbalen Verhaltens des Gegenübers – soziales Mimikry – ist ja eine unbewusste Strategie, um Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen. Inwieweit unterscheiden sich aber Menschen in ihrem Nachahmungsverhalten und welchen Einfluss hat das auf die Sympathie beim Kennenlernen?

Das haben Forscher der Uni Leipzig und der FU Berlin in einer gemeinsamen Studie untersucht (Psych Sci 2017, online 30. Oktober), wie die Uni Leipzig mitteilt. Maike Salazar Kämpf und ihre Kollegen luden 139 einander unbekannte Personen in gleichgeschlechtlichen Gruppen von vier bis sechs Teilnehmern ins Labor ein.

Jeder in der Gruppe führte nacheinander mit jeweils allen anderen Gruppenmitgliedern fünfminütige Gespräche. Davor und danach gab jede Person an, wie sympathisch das Gegenüber war. Mit Videoaufzeichnungen dieser Gespräche wurden dann Unterschiede im Nachahmungsverhalten und dessen Effekte auf die gegenseitigen Sympathie-Einschätzungen analysiert.

Die Forscher fanden heraus, dass einige Menschen kaum Nachahmverhalten zeigten, während andere besonders häufig das Gegenüber nachahmten. Sie werden in der Forschungsliteratur als soziale Chamäleons bezeichnet. Ist einem der erste Eindruck des Gegenübers sympathisch, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass wir diese spezifische Person nachahmen.

Das gibt der imitierten Person das Gefühl, gemocht zu werden – und die nachahmende Person wird als sympathischer wahrgenommen. "Das weist auf einen Bindungsmechanismus durch Mimikry hin. Durch Mimikry teilen wir unbewusst mit, dass wir jemanden mögen und können damit unsere eigene Beliebtheit steigern", so Salazar Kämpf.

Sie untersucht nun die Effekte von Mimikry auf die Wirksamkeit von Psychotherapien. (eb)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Demenz in D-Moll

Mit Demenzpatienten im Konzert? Viele Angehörige scheuen das. Das WDR-Orchesters bietet beiden eine ganz besondere Konzertreihe - mit drei verschiedenen Formaten. mehr »

Wird die Apple Watch zum Herzrhythmus-Monitor?

Die neue Smartwatch von Apple verfügt über einen EKG-Sensor. Über eine weitere App erkennt sie Vorhofflimmern. Wie sehen mögliche Einsatzszenarien aus? mehr »

Abtreibungsgegner darf Ärzte nicht Mörder nennen

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat einem katholischen Abtreibungsgegner Grenzen für Kritik an Ärzten aufgezeigt, die Schwangerschaftsabbrüche anbieten. mehr »