Ärzte Zeitung online, 02.02.2018

Psychische Traumata

Komplexe PTBS häufig Folge von Missbrauch

ZÜRICH. Mehr als ein halbes Prozent der Bevölkerung in Deutschland leidet unter einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS), teilt die Uni Zürich mit. Für eine Befragung hatten Psychopathologen unter Leitung der Uni Zürich gemeinsam mit deutschen Forschern eine repräsentative Umfrage gemacht (J Nerv Ment Dis 2018, online 30. Januar).

Dabei seien rund 2500 Erwachsene aus allen Altersgruppen an über 250 Orten in Deutschland befragt worden – zu traumatischen Erlebnissen wie Krieg, Vergewaltigung, sexueller Missbrauch in der Kindheit, Naturkatastrophen et cetera. Bei rund 0,5 Prozent der Befragten hätten die Forscher die schwere Form der komplexen PTBS, bei 1,5 Prozent die klassische PTBS diagnostiziert, so die Uni.

"Wir fanden die komplexe Form am häufigsten bei denjenigen Personen, die einen sexuellen Missbrauch in ihrer Kindheit oder fortgesetzte sexuelle Übergriffe als Jugendliche oder Erwachsene erleiden mussten", wird Andreas Maercker, Professor für Psychopathologe an der Universität Zürich, in der Mitteilung zitiert.

Die schon länger bekannte klassische PTBS wurde demgegenüber am häufigsten von Menschen berichtet, die schwere Unfälle erlitten hatten oder die direkte Zeugen eines traumatischen Geschehens geworden waren. Die komplexe PTBS wird im Frühjahr 2018 in die Krankheitsliste der WHO aufgenommen. (eb)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Stromstimulation hilft Gedächtnis auf die Sprünge

US-Forscher haben mit einer speziellen Wechselstromstimulation das Arbeitsgedächtnis von über 60-Jährigen auf das Niveau von 20-Jährigen gehoben – zumindest für kurze Zeit. mehr »

Aufklärung alleine verpufft

Nicht nur zu Ostern locken Schokolade und Co.: Laut DONALD-Studie liegt der Zuckerverzehr gerade bei Kindern und Jugendlichen noch immer über der WHO-Empfehlung. Forscher sehen hier die Politik in der Pflicht. mehr »

Länger geguckt, eher gekauft

Menschen treffen irrationale Kaufentscheidungen, so eine Studie: Allein eine lange Betrachtungsdauer lässt Personen eher zugreifen – selbst, wenn das Produkt schlecht ist. mehr »