Ärzte Zeitung, 04.03.2008

Jetzt rasch erkennbar: Depression bei Herzschwäche

Fragebogen fürs Wartezimmer entwickelt / Beantwortung dauert zehn Minuten / Jeder fünfte Patient hatte eine ausgeprägte Depression

HEIDELBERG (mut). Patienten mit Herzinsuffizienz haben eine schlechte Prognose, wenn sie zudem depressiv sind. Bei diesen Patienten sind eine frühe Diagnose und eine antidepressive Therapie sehr wichtig. Heidelberger Ärzte empfehlen zur Diagnose einen Fragebogen, den die Patienten bequem im Wartezimmer ausfüllen können.

 Jetzt rasch erkennbar: Depression bei Herzschwäche

Jetzt rasch erkennbar: Depression bei Herzschwäche.

Foto: Klaro

Sind Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen zugleich depressiv, sterben sie deutlich früher an ihrer Herzerkrankung als Patienten ohne Depression. So starben in einer Studie mit über 1000 Herzinsuffizienz-Patienten innerhalb von sechs Monaten ein Drittel mehr, wenn zugleich eine Depression bestand. Bei einer schweren Depression war die Sterberate sogar um über 80 Prozent erhöht (Am Heart J 154, 2007, 102).

Eine frühe Diagnose von Depressionen bei Herzinsuffizienz-Patienten kann sich also lohnen. Allerdings ist die Diagnose nicht ganz einfach: Symptome wie Müdigkeit, Schlafstörungen und Konzentrationsprobleme sind nicht nur bei Depressionen häufig, sie treten oft auch bei Herzinsuffizienz-Patienten auf.

Die Gefahr besteht, dass Ärzte solche Symptome ausschließlich auf die Herzinsuffizienz zurückführen und eine Depression übersehen, berichtet die Diplom-Psychologin Nicole Holzapfel vom Uniklinikum Heidelberg. Sie rät daher, Herzinsuffizienz-Patienten routinemäßig mit einem Frageborgen auf Depressionen zu überprüfen. Einfach sei dies mit dem Depressions-Modul des "Patient Health Questionnaire" (PHQ).

Dieser besteht aus neun Fragen mit maximal 27 Punkten (schwere Depression) und lässt sich von den Patienten in zehn Minuten im Wartezimmer ausfüllen. Zusammen mit Ärzten des Klinikums hat Holzapfel den Fragebogen bei 320 Herzinsuffizienz-Patienten geprüft (Psychosomatics 48, 2007, 112). Das Ergebnis: 29 Prozent der Patienten hatten depressive Symptome (mindestens 9 Punkte im Fragebogen), 19 Prozent hatten eine ausgeprägte Depression (mindestens 11 Punkte) und 13 Prozent hatten Suizidgedanken.

Den Patienten mit einem Punktwert ab 9 wurde eine antidepressive Therapie angeboten. Etwa ein Drittel willigte sofort ein, ein weiteres Drittel war für eine Therapie bereit, sollten sich die Symptome verschlechtern, und etwa ein Drittel lehnte antidepressive Therapie ab.

Den Fragebogen PHQ-D gibt es beim Uniklinikum Heidelberg unter: www.klinikum.uni-heidelberg.de/Materialien-zum-PHQ.6276.0.htmlc11692

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