Ärzte Zeitung, 02.10.2015

Kommentar zu aggressiv machenden SSRI

Seltsame Fälle

Von Robert Bublak

Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde - so heißt eine Geschichte von Robert Louis Stevenson. Erzählt wird, verkürzt gesagt, wie sich ein angesehener Mann unter dem Einfluss eines selbst gebrauten Trankes in ein gewalttätiges Ungeheuer verwandelt.

Forscher am schwedischen Karolinska-Institut haben nun gezeigt, dass Personen, die SSRI schlucken, häufiger wegen Gewaltdelikten verurteilt werden. Manchen scheint das an Stevensons Novelle erinnert zu haben.

Denn es wurden Interpretationen laut, wonach die Einnahme von SSRI Menschen zu Gewalttätern machen kann. Das ist seltsam, mehr als eine Assoziation kann eine Registerstudie wie die schwedische nämlich nicht zeigen. Selbst das Umgekehrte lässt sich nicht ausschließen, wonach erst der Gewaltakt einen Täter hat depressiv und behandlungsbedürftig werden lassen.

Der Studie ist jedenfalls nicht zu entnehmen, Dr. Jekyll sei durch eine Art SSRI zu Mr. Hyde mutiert.

Die Möglichkeit, dass SSRI Gewalthandlungen auslösen, wird indessen seit Jahren diskutiert. Doch so brisant dieses Problem ist: Ob ein Kausalmechanismus vorliegt, ist noch immer nicht hinreichend erforscht.

Auch dies ist ein seltsamer Fall. Und einer, der angesichts der vielen SSRI-Verordnungen dringend zu klären wäre.

Lesen Sie dazu auch:
Depression: Machen Antidepressiva aggressiv?

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Kinderschutzhotline - Heißer Draht zu Ärzten

Über den Verdacht auf Kindesmissbrauch sprechen, ohne die Schweigepflicht zu verletzen: Das ermöglicht seit 2017 die Medizinische Kinderschutzhotline - eine Zwischenbilanz. mehr »

Hypertonie vor 40. Lebensjahr ist riskant

Junge Erwachsene, die einen erhöhten Blutdruck gemäß den US-amerikanischen Leitlinien von 2017 entwickeln, haben ein signifikant höheres Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse als Normotoniker. mehr »

Computervirus legt Klinik lahm

Das bayerische Klinikum Fürstenfeldbruck ist von einem Computervirus lahmgelegt worden. Es hatte sich daher auch von der Integrierten Leitstelle des Landkreises abgemeldet und nur dringende Notfälle aufgenommen. mehr »