Ärzte Zeitung online, 30.06.2019

Kommentar

Schöne neue Welt?

Weil Firmen in den Netzwerken mit personalisierter Werbung Millionenbeträge einnehmen, kann eine freizügige Informationspreisgabe durchaus Konsequenzen haben.

Von Lamia Özgör

Lamia Oezgoer

Schreiben Sie der Autorin lamia.oezgoer@springer.com

Mittlerweile ist es üblich, in sozialen Netzwerken sein Privatleben mit der Welt zu teilen, sei es auf Facebook, Twitter oder Instagram. Dabei lässt sich aus den Spuren, die wir tagtäglich im Internet hinterlassen, deutlich mehr herauslesen als nur unser Musikgeschmack. In einer aktuellen Studie gelang es US-Wissenschaftlern, Krankheiten wie Diabetes oder Depressionen nur anhand von Sprache und Wortwahl aus Facebook-Nachrichten präzise abzuleiten.

Weil Firmen in den Netzwerken mit personalisierter Werbung Millionenbeträge einnehmen, kann das durchaus Konsequenzen haben. Irgendwann ploppen vielleicht nicht mehr Werbebanner mit Schuhen oder Urlaubszielen auf, sondern auch für Antidepressiva oder Privatkliniken. Versicherungsnehmer könnten nur aufgrund ihrer Wortwahl auf Facebook in eine Hochrisikogruppe eingestuft werden und hätten höhere Beiträge zu zahlen.

Man sollte wegen der Studie nicht gleich den Teufel an die Wand malen. Die Ergebnisse könnten jedoch ein Anlass sein, darüber zu diskutieren, wem die Daten etwa auf Facebook wirklich gehören. Als Nutzer sollte man sich seines Internetverhaltens bewusst sein – und stets darüber nachdenken, ob zum Beispiel wirklich jeder wissen muss, was man heute Mittag gegessen hat.

Lesen Sie dazu auch:
Verräterische Worte: Facebook weiß, woran Ihre Patienten leiden

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