Ärzte Zeitung online, 17.10.2013
 

Epilepsie

Läsionen in der Großhirnrinde auf der Spur

Etwa jede zehnte Epilepsie ist durch eine Op heilbar. Neuroradiologen empfehlen früheren Einsatz erweiterter MRT-Techniken.

KÖLN. In Deutschland leiden etwa 0,7 bis 0,8 Prozent der Bevölkerung, also rund 600.000 Menschen, an Epilepsie. Schätzungsweise jeder zehnte Betroffene hat eine Form der Epilepsie, die durch eine Op geheilt werden kann.

Im Unterschied zu anderen Ursachen der Epilepsie - etwa, wenn die Krampfanfälle genetisch bedingt sind oder infolge bestimmter Erkrankungen auftreten - können epileptogene Läsionen bei vielen Patienten operativ entfernt und Betroffene so von der Epilepsie dauerhaft geheilt werden, erinnert die Deutsche Gesellschaft für Neuroradiologie (DGNR) aus Anlass ihrer Jahrestagung in Köln.

"Diese sogenannten epileptogenen Läsionen in der Großhirnrinde entstehen oft bereits im Mutterleib", wird Professor Horst Urbach, Ärztlicher Direktor der Klinik für Neuroradiologie am Universitätsklinikum Freiburg, zitiert.

Die Op wird vor allem dann vorgenommen, wenn Medikamente die epileptischen Anfälle nicht verhindern können.

Um herauszufinden, ob einem Epilepsie-Patienten mit einer Op geholfen werden kann, erfolgt eine Untersuchung mit Kernspintomografie. Doch Standard-MRT-Verfahren geraten dabei an ihre Grenzen.

Plädoyer fürs "MRT postprocessing"

"Epileptogene Läsionen sind meist klein, sie verändern sich im Laufe des Lebens nicht und sind angesichts der komplexen Faltung der Großhirnrinde nur schwer erkennbar", so Urbach. "Ob eine Läsion entdeckt wird, hängt deshalb oft davon ab, welche Untersuchungstechniken verwendet werden und wie erfahren der Diagnostiker ist."

Erweiterte bildgebende Techniken, etwa die computerisierte Nachbearbeitung von Kernspin(MRT)-Aufnahmen können die Diagnostik verbessern. Beim "MRT postprocessing" vergleicht eine Software die Untersuchungsergebnisse zur Hirnrinde der Patienten mit Normwerten.

Kleinste Unterschiede in der Dicke, ungewöhnliche Ausdehnungen oder abweichende Schattierungen, die für das bloße Auge nicht sichtbar sind, werden dabei erkannt.

Eine Studie der Universität Bonn an 91 Patienten habe ergeben, dass Neuroradiologen mithilfe des Verfahrens 98 Prozent der Läsionen hätten entdecken können, berichtet die DGNR. Bei Standard-MRT-Untersuchungen wurden, je nach Läsionstyp, teilweise nur 65 Prozent der Fehlbildungen erkannt.

"Die MRT-Untersuchung von Epilepsiepatienten sollte deshalb stets in speziellen Zentren stattfinden, die mit den Techniken der bildgebenden Epilepsie-Diagnostik erfahren sind", fordert Urbach. "Es ist wichtig, diejenige Patienten, die von einer Operation profitieren könnten, frühzeitig zu identifizieren." (eb)

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