Ärzte Zeitung, 24.10.2007

Retard-Präparat erleichtert Parkinson-Therapie

Ropinirol-CR muss nur einmal täglich genommen werden / Off-Phasen im Schnitt um 2,1 Stunden reduziert / Markteinführung 2008 erwartet

BERLIN (nsi). Je mehr Medikamente Patienten mit chronischen Erkrankungen täglich einnehmen müssen, desto geringer die Adhärenz. Das gilt auch bei Morbus Parkinson. Im nächsten Jahr kann eine neue Retardformulierung von Ropinirol die Parkinson-Therapie vereinfachen.

Die retardierte Form des non-ergolinen Agonisten müsse nur ein Mal am Tag genommen werden, erziele gleichmäßige Wirkspiegel über 24 Stunden und lasse sich rasch zur benötigten Konzentration aufdosieren. Darauf hat Professor Wolfgang Jost aus Wiesbaden hingewiesen. "Wir erwarten eine bessere Adhärenz und damit eine erfolgreichere Therapie", sagte der Neurologe auf einer Veranstaltung von GlaxoSmithKline beim Neurologen-Kongress in Berlin. Das Unternehmen bietet Ropinirol als Requip® an.

In einer Phase- III-Studie mit Ropinirol-CR (CR für controlled release) sei belegt worden, dass die Effektivität der Arznei mit jener in der herkömmlichen galenischen Form (Ropinirol-IR, IR für immediate release) vergleichbar sei. Bei Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung, die bei einer Behandlung mit L-Dopa mindestens drei Stunden während des Tages Phasen schlechter Beweglichkeit (Off-Phasen) hatten, habe sich die Add-on-Therapie mit Ropinirol-CR als gut wirksam und verträglich erwiesen, sagte Jost. Das gehe aus den Daten der EASE-PD* Adjunct Studie hervor.

Auch psychische Symptome gingen mit Ropinirol zurück, die Patienten kamen besser im Alltag zurecht.

In die Placebo-kontrollierte Untersuchung sind 393 Patienten aufgenommen worden. 202 von ihnen erhielten zusätzlich zu Levodopa eine Therapie mit Ropinirol-CR, 191 nur L-Dopa. Zu Beginn der Studie berichteten die Patienten über Off-Zeiten von durchschnittlich sieben Stunden während des Tages, obwohl sie im Schnitt 800 mg L-Dopa am Tag einnahmen. Nach 24 Wochen verminderte sich die Off-Zeit in der Verum-Gruppe (mittlere Dosis von Ropinirol-CR 18,8 mg/Tag) um durchschnittlich 2,1 Stunden, mit Placebo nur um 0,3 Stunden.

In der Verumgruppe konnte die L-Dopa-Dosis im Studienzeitraum schrittweise reduziert werden, und zwar im Schnitt um 278 mg pro Tag. Bei der Add-on-Therapie mit Ropinirol verlängerten sich auch die Phasen guter Beweglichkeit ohne beeinträchtigende Dyskinesien (On-Phasen) im Vergleich zu Placebo. Auch psychische Symptome wie Depression gingen zurück, und die Patienten kamen besser im Alltag zurecht.

*EASE-PD: Efficacy and Safety Evaluation in Parkinsons Disease

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Hüpfen und Einbeinstand halten fit

Hüpfen, Treppensteigen oder auf einem Bein Zähneputzen: Mit bewussten, einfachen Übungen können alte Menschen ihre Beweglichkeit erhöhen und die Sturzgefahr senken. mehr »

Gala mit Herz und Verstand

Mit einer festlichen Gala hat Springer Medizin pharmakologische Innovationen und ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet. Die Preisträger vermittelten Hoffnung auf Heilung und auf Hilfe, hieß es am Donnerstagabend. mehr »

Das sind die Gewinner des Galenus-von Pergamon-Preises 2017

Mit dem Galenus-von-Pergamon-Preis, der auch international große Anerkennung findet, wurden erneut Exzellenz in der deutschen pharmakologischen Grundlagenforschung und die Entwicklung innovativer Arzneimittel gekürt. mehr »