Ärzte Zeitung, 18.05.2005

Neuronenverlust bei Schizophrenie gebremst

Antipsychotikum Olanzapin erhöht die Chance, daß sich die Patienten sozial integrieren / Verbesserte Compliance

FRANKFURT/MAIN (nsi). Schon bei der Erstdiagnose lassen sich bei vielen Patienten mit Schizophrenie veränderte neuronale Aktivitäten im Gehirn feststellen sowie ein vermindertes Volumen an grauer Substanz. Schreitet die Krankheit voran, nehmen diese Schäden zu. Jetzt belegt eine internationale Studie: Das atypische Antipsychotikum Olanzapin (Zyprexa®) kann die Weiterentwicklung solcher Veränderungen im Gehirn bremsen.

Da solche Hirnschädigungen vermutlich auch mit Krankheitssymptomen wie verminderter kognitiver Leistung einhergehen, hat diese Erkenntnis klinische Relevanz. Professor Hans-Peter Volz vom Krankenhaus Schloß Werneck in Werneck hat dazu Daten einer Studie bei einer Veranstaltung des Unternehmens Lilly in Frankfurt am Main vorgestellt. "Möglicherweise haben manche Atypika einen Schutzeffekt für das Gehirn", sagte Volz, die Schutzmechanismen seien aber noch nicht geklärt.

Die Arbeitsgruppe um Professor Jeffrey Lieberman aus Chapel Hill in North Carolina hat die Studie jetzt in der Zeitschrift "Archives of General Psychiatry" (62, 2005, 361) publiziert (wir berichteten).

In die Studie wurden 263 Patienten mit Erstdiagnose Schizophrenie aufgenommen. Die Forscher berichteten über erste Daten von 161 Teilnehmern. Bei den Teilnehmern wurde ein Basis-MRT vom Gehirn gemacht und mindestens ein weiteres (nach 12, 24, 52 oder 104 Wochen). Die Patienten erhielten entweder Haloperidol (2 bis 20 mg pro Tag) oder Olanzapin (5 bis 20 mg pro Tag).

Bei gesunden Kontrollpersonen veränderten sich das Volumen von grauer Substanz und Lateralventrikeln innerhalb von zwei Jahren nicht, ebensowenig bei Patienten mit Olanzapin. Eine statistisch signifikante Reduktion an grauer Substanz fand sich aber bei den Haloperidol-Behandelten.

Nach 52 Wochen hätten diese Patienten eine Menge an Zellen verloren, die etwa dem Volumen eines halben Schnapsglases entspreche, so Volz. Möglicherweise beruhen die Unterschiede auf einer Neurotoxizität von Haloperidol, zumindest scheine es keinen Schutzeffekt zu haben, so die Autoren.

Kognitive Fähigkeiten entwickelten sich bei Schizophrenie-Kranken bei einer Therapie mit Olanzapin besser als bei einer Haloperidol-Behandlung, sagte Volz. Eine Olanzapin-Therapie erhöhe damit die Chance, daß sich die Patienten sozial integrieren und eine gute Compliance haben. Dadurch sinke das Rückfallrisiko.

Auch im Vergleich mit anderen Atypika wie Risperidon, Quetiapin oder Amisulprid sei die Rezidivprophylaxe mit Olanzapin Metaanalysen zu Folge besser.

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