Ärzte Zeitung, 12.01.2005

Effektive Hilfe bei Tagesschläfrigkeit ohne Suchtentwicklung

Ergebnis nach 136 Wochen Therapie mit Modafinil / Vigilanz-Störung meist durch obstruktives Schlafapnoe-Syndrom oder Restless Leg Syndrom

MÜNCHEN (wst). Bei Routineuntersuchungen sollte immer auch danach gefragt werden, wie wach und fit sich ein Patient am Tag fühlt. Jeder Patient, der dann angibt, oft tagesmüde zu sein oder gar immer wieder in unadäquaten Situationen einschläft, etwa als Zuhörer während eines wichtigen Vortrages, sollte weiter untersucht werden.

Denn nach Untersuchungen aus Deutschland und Großbritannien leiden immerhin drei bis sechs Prozent aller Erwachsenen an chronischer Tagesschläfrigkeit, wie Professor Göran Hajak von der Psychiatrischen Universitätsklinik Regensburg berichtet hat. Da dieser Zustand sich meist erst allmählich entwickle, seien sich viele Betroffene ihres Problems gar nicht bewußt.

Insgesamt kämen dann zwar als Ursache über 80 Diagnosen in Frage, aber bei etwa 70 Prozent der Patienten seien entweder ein obstruktives Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) oder ein Restless-legs-Syndrom (RLS) ursächlich für die exzessive Tagesmüdigkeit, sagte Hajak auf einer Pressekonferenz des Unternehmens Cephalon in München. Weitere häufige Ursachen seien Schichtarbeit und vor allem bei jüngeren Menschen ein Schlafmangel durch häufige "Nightlife-Aktivitäten".

Sei die Tagesmüdigkeit mit einer ursächlichen Behandlung, etwa einer kontinuierlichen nächtlichen Überdruckbeatmung (CPAP) beim OSAS oder geeigneten Medikamenten bei einem RLS, nicht ausreichend zu beheben, seien eventuell vigilanzfördernde Medikamente ratsam, so Hajak.

Speziell bei Tagesschläfrigkeit im Zusammenhang mit einem OSAS oder einer Narkolepsie empfiehlt der Experte Modafinil (Vigil®). In klinischen Studien sei bei Behandlung mit täglich 200 bis 400 mg dieser BtM-rezeptpflichtigen Substanz selbst nach 136 Anwendungswochen keine Toleranz- oder Suchtentwicklung festgestellt worden. Auch das Schlafprofil werde nicht gestört, wenn das vigilanzfördernde Medikament, wie empfohlen, spätestens zu Mittag eingenommen werde.

Modafinil ist bislang zugelassen zur Behandlung bei Narkolepsie und mittelschwerem bis schwerem obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom mit exzessiver Tagesschläfrigkeit trotz adäquater CPAP-Therapie. Die Zulassungserweiterung für Tagesmüdigkeit infolge eines Schichtarbeitersyndroms wird nächstes Jahr erwartet.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Neue Arzneien zum Schutz vor Brüchen

Osteoporose wird oft übersehen. Der Welt-Osteoporose Tag rückt die Erkrankung ins Bewusstsein. Zum Schutz vor Frakturen werden derzeit neue Substanzen erprobt. mehr »

Vergangenheit, die nicht vergeht

Ramstein, Eschede, Loveparade in Duisburg: Großunglücke lassen bei Opfern und oft auch bei Einsatzkräften seelische Wunden zurück. Psychotraumatologen können den Betroffenen in der Regel gut helfen. mehr »

Politik hat die Bedeutung der Arzneimittelforschung erkannt

Gute Versorgungsideen sind in der Politik willkommen, stellte Gesundheitsminister Jens Spahn bei der Springer Medizin Gala zum Galenus-von-Pergamon-Preis klar. mehr »