Ärzte Zeitung online, 26.08.2019

Schlafstörung

Mit dem Schrittmacher gegen Schlafapnoe

Ein neues Gerät stimuliert den Zwerchfellnerv und kann so auftretende Aussetzer der Atemmuskulatur überbrücken.

163a0701_8485646-A.jpg

Die Technik der Schrittmacher-Stimulation im Detail: Die Stimulationselektrode liegt in der epikardiophrenischen Vene in Nähe des N. phrenicus.

© respicardia.com

BAD OEYNHAUSEN. Ein implantierter Schrittmacher soll künftig Patienten mit moderater bis schwerer zentraler Schlafapnoe helfen. Das Gerät (Typ Remedē, Hersteller Respicardia, USA) gibt Stimulationsimpulse an den Zwerchfellnerv ab. So können auftretende Aussetzer der Atemmuskulatur überbrückt werden. Die Stimulationselektrode wird in der epikardiophrenischen Vene in Nähe des N. phrenicus platziert, die Sensingelektrode zwerchfellnah in der Vena azygos. Das Aggregat des Geräts liegt subfaszial im Brustbereich.

Die Ergebnisse einer weltweiten Studie (Sleep 2019; online 8. Juli) der Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum (RUB) seien vielversprechend, teilt die RUB zur Veröffentlichung der Studie mit. Die Behandlungsmethode wurde über maximal 36 Monate untersucht. Das bei der Studie federführende Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW) zähle zu den Einrichtungen mit den meisten durchgeführten Implantationen weltweit, so die RUB.

60 Prozent weniger Ereignisse

In der Behandlungsgruppe konnte die Zahl der Ereignisse im ApnoeHypopnoe-Index in 24 Monaten von durchschnittlich 49 auf 16 reduziert werden. Der Index erfasst bekanntlich die durchschnittliche Zahl an Apnoe- und Hypopnoe-Episoden pro Stunde Schlaf. Insgesamt war bei 60 Prozent der einbezogenen Patienten der Behandlungsgruppe mit Schrittmacher in den 24 Monaten eine mindestens 50-prozentige Reduktion feststellbar.

Die Behandlung kann empfohlen werden, wenn eine klassische Maskentherapie nicht zum erwünschten Ziel führt.

Dr. Henrik Fox, Herz- und Diabeteszentrum NRW

„Bei 500 Patienten mit mittelschwerer bis schwerer zentraler Schlafapnoe konnte in der Studie eine anhaltende Verbesserung der Schlafmetriken nachgewiesen werden“, so Studienautor Oberarzt Privatdozent Dr. Henrik Fox in der Mitteilung der Universität zur Publikation.

Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (SAE) im Zusammenhang mit der Implantation, dem Gerät oder der Behandlung wurden über einen Zeitraum von 24 Monaten von zehn Prozent der Patienten gemeldet, in der Zeit bis 36 Monate wurden keine zusätzlichen therapiebezogenen SAE gemeldet. Diese Ergebnisse würden insbesondere eine Langzeitsicherheit in der Anwendung der Stimulationstherapie auf das Zwerchfell zeigen, wird Fox weiter zitiert.

In Europa CE-zertifiziert

Die zentrale Schlafapnoe ist bekanntlich eine Erkrankung, die vornehmlich als nächtliche Atmungsstörung in Erscheinung tritt und das normale Atmungsmuster während des Schlafs stört, aber dabei auch Herzfunktion und Lebensqualität dauerhaft beeinträchtigen kann. „Sehr häufig sind hierbei Patienten betroffen, die unter einer Herzschwäche leiden“, so Fox. Aus medizinischer Sicht könne die Behandlung empfohlen werden, wenn eine klassische Maskentherapie nicht zum erwünschten Ziel führt.

Das Remedē-System hatte im Oktober 2017 die Zulassung der US-amerikanischen Behörden erhalten. Für Europa besteht die CE-Zertifizierung. Eine weitere große klinische Beobachtungsstudie mit 500 Patienten in Europa und den USA soll nun auch Verbesserungen der typischen Schlafapnoe-Symptome wie Tagesmüdigkeit, Konzentrationsschwäche und Einschlafneigung, aber auch Auswirkungen auf die Lebensqualität und auf Herzinsuffizienz-Parameter erfassen, kündigt die RUB an. (eb/mg)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Eine tödliche Kombination

Nach einem Infarkt haben Diabetiker ein hohes Risiko für Herzschwäche. Doch nicht nur das: Die Kombination verdreifacht das Sterberisiko, offenbaren Studiendaten. mehr »

KBV-Vertreter setzen ein Zeichen

Die Vertragsärzte kämpfen um den Sicherstellungsauftrag für die ambulante Notfallversorgung, um die sich auch Kliniken bewerben. Das hat die KBV-VV dazu veranlasst, eine Resolution zu verabschieden. mehr »

"Es hapert deutlich bei der Prävention"

In der Schlaganfallversorgung ist Deutschland Weltspitze, doch bei der Prävention gibt es große Defizite, findet Professor Hans-Christoph Diener. mehr »