Ärzte Zeitung, 21.05.2013

Niedersachsen

Der erste Vollrausch kommt immer früher

Mit 12 das erste Mal blau - das kommt offenbar in Niedersachsen nicht selten vor. Wie eine Sucht-Studie der TK zeigt, wird zur Zigarette noch früher gegriffen.

Von Christian Beneker

Der erste Vollrausch kommt immer früher

Alkoholkonsum im Übermaß - für viele Jugendliche auch in Niedersachsen eine vertraute Erfahrung.

© Line-Of-Sight / Fotolia.com

HANNOVER. "Erschütternd" nennt die TK Niedersachsen die Ergebnisse ihrer jüngsten Studie zum Suchtverhalten von Jugendlichen im Nordwesten: Jeder neunte Jugendliche im Land fängt mit knapp elf Jahren an zu rauchen, hat mit rund zwölf den ersten Rausch, mit 13 Jahren bereits eine Wasserpfeife geraucht und mit 14 erste Cannabiserfahrungen.

Damit beginnen die Niedersächsischen Jugendlichen früher mit dem Drogenmissbrauch als ihre Altersgenossen im übrigen Deutschland.

Erstmals wurden in Niedersachsen Schüler zwischen zwölf und 18 Jahren zu ihrem Drogenkonsum befragt, in der "Prävalenzstudie zum Konsum psychotroper Substanzen bei niedersächsischen Schülerinnen und Schülern unter Berücksichtigung einer Subgruppe von riskant konsumierenden Jugendlichen".

Auffallend sei, so Professor Rainer Thomasius, ärztlicher Leiter des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ), dass die befragten 1063 Schüler "mit rund zwölf Jahren ein um zwei Jahre deutlich niedrigeres Erstkonsumalter für Tabak, Alkohol und Cannabis aufweisen als der bundesweite Durchschnitt. Der frühe Drogenkonsum erhöht unter anderem das Risiko für die Entwicklung einer Abhängigkeitserkrankung".

Hauptsächlich Jugendliche vom Land befragt

Tatsächlich gaben 23,3 Prozent der Befragten an, in den letzten 30 Tagen vor der Befragung mindestens einmal betrunken gewesen zu sein.

Die Studie sollte auch Fragen der Verbindung von psychosozialer Befindlichkeit und riskantem Drogenkonsum beantworten: "Nimmt jemand aus deinem Freundeskreis regelmäßig illegale Drogen?" "Nimmst du manchmal illegale Drogen, wenn du alleine bist?" "Hat jemand aus deinem Familienkreis ein Problem mit illegalen Drogen?"

Allerdings ist die Studie nicht repräsentativ, sagt Dr. Frank Verheyen vom Wissenschaftlichen Institut der Techniker Krankenkasse (TK) für Nutzen und Effizienz im Gesundheitswesen (WINEG), zur "Ärzte Zeitung".

Sie bezieht sich zum Beispiel vor allem auf Jugendliche aus den ländlichen Gebieten Niedersachsens. "Trotzdem sind die Zahlen valide", so Verheyen.

Denn die Studie lasse immerhin einen Vergleich zu anderen Studien gleicher Art auf europäischer Ebene zu. "Wir sehen keiner riesigen Suchtwelle entgegen, aber wir haben jetzt einen Impuls für die Politik gesetzt", so Verheyen.

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