Ärzte Zeitung, 26.10.2006

Bei Entzündungsschmerzen geht es nicht ohne NSAR

Für Patienten mit Ulkusrisiko eignen sich klassische NSAR plus Protonenpumpenhemmer oder Coxibe / Bei starkem Schmerz sind Opioide Option

WIESBADEN (grue). Patienten mit chronischem Entzündungsschmerz brauchen nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR), klassische nicht-selektive NSAR oder Coxibe. Sonst gibt es kaum medikamentöse Therapie-Optionen. Für Opioide etwa gibt es bei Entzündungsschmerzen nur wenige kontrollierte Studien.

Eine kausale Therapie bei entzündlichen Schmerzen ist bisher nicht möglich. Das könnte sich ändern, wenn Analgetika mit der Bezeichnung DREAM (downstream regulatory element antagonistic modulator) weiterentwickelt werden. Sie sollen die zentrale Schmerzverarbeitung beeinflussen. "Aber diese Substanzen gibt es noch lange nicht, also müssen wir uns auf die symptomatische Therapie konzentrieren." Darauf wies Professor Christian Baerwald von der Universität Leipzig bei einer Veranstaltung von Pfizer in Wiesbaden hin.

Analgetika der Wahl sind daher klassische NSAR vom Diclofenac-Typ und selektive NSAR wie Celecoxib (Celebrex®). Die Coxibe wirken nach Einschätzung von Baerwald ähnlich gut analgetisch und antiphlogistisch wie NSAR. Ihr Vorteil liegt bekanntlich in der besseren gastrointestinalen Verträglichkeit. Andererseits steigt unter einer Coxibtherapie das kardiovakuläre Risiko leicht an . Ein erhöhtes Risiko wurde aber in einer Fall-Kontroll-Analyse auch für Diclofenac und Ibuprofen belegt.

"Ohne NSAR geht es in der Schmerztherapie ohnehin nicht, also muß eine Wahl getroffen werden", so Baerwald. Bei älteren Patienten oder solchen mit Ulkusrisiko kann ein klassisches NSAR mit einem Protonenpumpenhemmer als Magenschutz kombiniert werden. Oder es wird ein Coxib verordnet, weil damit auch das Risiko für Ulzera im Dünndarm relativ gering ist.

Als Alternative kommen zur Behandlung bei starken Schmerzen sonst nur noch Opioide in Frage. Zu ihrer Wirksamkeit bei Nicht-Tumor-Schmerzen gibt es bislang nur wenige kontrollierte Studien. "Den Opioiden kann man für diese Indikation eine etwas bessere Wirksamkeit als NSAR bescheinigen", sagte Baerwald.

Zugleich müßten aber die unerwünschten Wirkungen der Opioid-Behandlung bedacht werden. Es gebe so gesehen wenig Therapiemöglichkeiten zur Behandlung bei chronischen Nicht-Tumor-Schmerzen. Baerwald: "Im wesentlichen müssen wir uns auf die NSAR mit Berücksichtigung ihres unterschiedlichen Profils unerwünschter Wirkungen konzentrieren."

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Nutzen Antibiotika bei Dentaleingriffen?

Patienten mit Herzklappen-Ersatz haben nach zahnärztlichen Eingriffen womöglich ein erhöhtes Risiko für infektiöse Endokarditiden. Doch wie groß ist es und schützen Antibiotika? mehr »

"Die Haltung der Kassen ist irrational"

Die Vertragsärzte kauen schwer am schwachen Ergebnis der Honorarverhandlungen für 2018. Es sei fraglich, ob der aktuelle Mechanismus auf Dauer ein geeignetes Preisfindungsinstrument sei, so KBV-Chef Dr. Andreas Gassen. mehr »

Medizin vor Ökonomie - Kodex soll Prioritäten klarmachen

Medizinische Fachgesellschaften treten gegen die Ökonomisierung der Medizin an – mit einem Kodex. mehr »