Schmerzen

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Ärzte Zeitung, 17.01.2007

"Opiate i.v. bei schwerem Bauchschmerz"

Auch starke Schmerzmittel verzögern Diagnose und eventuell notwendige Op nicht / Aktuelle Studiendaten

NEU-ISENBURG (ner / gwa). Opiate intravenös sind die Sofort-Therapie bei sehr starken akuten abdominellen Schmerzen. Und zwar auch dann, wenn die Diagnose noch nicht klar ist. Eine solche Therapie führt nicht zu einer erhöhten Rate an Fehldiagnosen wie eine nicht erkannte Appendizitis. Auch Therapien wie Operationen werden nicht häufiger verzögert als bei Patienten ohne Analgesie. Das untermauern Daten einer aktuellen US-Studie.

Erst die Schmerz-Therapie, dann die Diagnose: Das ist das richtige Vorgehen bei akuten starken abdominellen Schmerzen, etwa bei Nierenkoliken. Foto: Klaro

Anders als vor Jahrzehnten ist längst nicht mehr die alleinige Tastuntersuchung ausschlaggebend für die Diagnose bei aktuem Abdomen. Genausowichtig, aber durch eine Schmerztherapie nicht verfälschbar, sind Laborwerte und Sonografie, und eventuell auch Computertomografie. "Eine intravenöse Schmerztherapie, auch mit Opiaten, wenn sie indiziert sind, ist essentieller Bestandteil jeder Notfallbehandlung. Daran erinnerte der Chirurg Professor Hartwig Bauer, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, im Gespräch mit der "Ärze Zeitung". Schmerzmittel in einer Akutsituation intramuskulär zu sprizten ist ebenso passé wie eine orale Therapie.

Opiate im Notfall werden bei uns schon lange empfohlen

    Analgetika beeinflussen Sonografie und CT nicht.
   

In Deutschland ist die Akuttherapie, auch mit Opiaten, schon vor vielen Jahren in die Leitlinien aufgenommen worden. Eine solche Akuttherapie erhalten aber, zumindest in den USA, offenbar noch nicht alle Betroffenen. Befürchtet wird immer wieder, dass die Analgesie potenziell lebensbedrohliche Krankheiten maskieren könnte, sodass etwa ein perforiertes Magenulkus als Gastroenteritis missinterpretiert wird. Folge wäre eine verspätete oder gar unterbleibende Operation mit womöglich fatalen Folgen.

Das stimmt aber nicht, wie Dr. Sumant R. Ranji von der Uni San Francisco und seine Kollegen belegen. Sie prüften ingesamt zwölf Placebo-kontrollierte Studien zur Therapie mit Opiaten bei akuten Bauchschmerzen (JAMA 296, 2006, 1764). Zwar beeinflusste die Schmerzbekämpfung mit einem Opiat im Vergleich zu Placebo das Ergebnis der körperlichen Untersuchung. Aber eine verzögerte Operation war in beiden Gruppen ähnlich selten: Das passierte siebenmal in der Gruppe mit Opiat-Therapie und viermal in der Kontroll-Gruppe.

Man sollte also Patienten mit akuten Bauchschmerzen keine Schmerztherapie vorenthalten, nur weil es noch keine Diagnose gibt. Und schon gar nicht in Notfallsituationen mit massiven Schmerzen, betont auch der Notfallmediziner Professor Peter Sefrin aus Würzburg. "Wir wissen heute, dass fortbestehende Schmerzzustände hormonelle Reaktionen verursachen. Und die kommen bei heftigen Schmerzen noch zusätzlich aggravierend zum Grundleiden hinzu."

Und was ist mit Opiaten etwa bei Verdacht auf Gallenkoliken? Bauer würde kein Opiat verabreichen wegen der Gefahr eines Spasmus der Gallengangspapille.

Pharmakologisch völlig richtig, sagt Sefrin. Dennoch würde er auch bei Kolikverdacht ein Opiat spritzen, wenn sich die Schmerzen anders nicht beherrschen ließen.

STICHWORT

Die Studie in Kürze

Frage: Beeinflussen Opiate die Diagnosefindung bei akutem Bauchschmerz negativ?

Methode: Metaanalyse von Placebo-kontrollierten Studien; zwölf Studien; insgesamt 1062 Erwachsenen und 291 Kinder. Dokumentiert waren der diagnostische und therapeutische Ablauf.

Ergebnisse: Bei sieben Patienten in der Opiat-Gruppe und bei vier in der Placebo-Gruppe kam es zur Diagnoseverzögerung. Es gab acht Prozent unnötige Op in beiden Gruppen.

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