Ärzte Zeitung, 06.03.2013
 

Deutsche Schmerzliga

Opioide von Substitution ausschließen!

BERLIN. Antiepileptika und opioid-haltige Schmerzmittel müssen von der Substitutionspflicht ausgenommen werden. Das forderten die Deutsche Schmerzliga und die Deutsche Epilepsie-Vereinigung am Dienstag in Berlin. Denn jeder Therapiewechsel - sei es von einem Originalpräparat auf ein Generikum oder vice versa - gefährde den Behandlungserfolg.

Anlass für die Warnung geben die derzeitigen Gespräche des GKV-Spitzenverbandes und des Deutschen Apothekerverbandes (DAV) über den Rahmenvertrag zur Arzneimittelversorgung. Darin können sie Ausnahmen von der Substitutionspflicht vereinbaren.

Bei Epilepsie- und Schmerzpatienten dauere es lange, bis diese eingestellt seien, betonte Michael Überall, Präsident der Deutschen Schmerzliga. Eine Umstellung könne zum Wiederauftreten von Schmerzen oder epileptischen Anfällen führen.

Denn "der gleiche Wirkstoff heißt nicht, dass der gleiche Therapieeffekt auftritt", ergänzte Professor Henning Blume, SocraTec R&D GmbH.

So werde etwa der nötige Blutspiegel bei verschiedenen Darreichungsformen des gleichen Wirkstoffs schneller oder langsamer erreicht. Die Organisationen fordern daher, dass in die Rahmenvertragsgespräche externe Experten eingebunden werden.

500.000 Epilepsie-Patienten in Deutschland

Durch das Aut-idem-Kreuz können Ärzte bereits den Austausch ausschließen. Viele trauten sich aufgrund befürchteter Regresse aber nicht, sagte Überall. Für die Ausnahmeregelung sprächen zudem Kostenersparnisse, sagten die Patientenvertreter.

Denn der Wechsel von Arzneimitteln habe nicht selten erneute Arztbesuche oder Klinikeinweisungen zur Folge, da erneut Krankheitsbeschwerden aufträten.

Diese Kosten würden die Kassen bei der Betrachtung des Einsparpotenzials von Substitutionen nicht beachten. Auch für Ärzte schüfe die Ausnahmeregelung mehr Sicherheit, merkte Überall an.

Derzeit verstießen Ärzte gegen die Dokumentationspflichten des Betäubungsmittelgesetzes, wenn der Apotheker ein anderes Präparat ausgebe, als vom Arzt dokumentiert.

In Deutschland sind der Deutschen Schmerzliga und der Deutschen Epilepsie-Vereinigung zufolge 500.000 Patienten mit Epilepsie und 600.000 Schmerzpatienten betroffen. (jvb)

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