Ärzte Zeitung, 11.10.2004

Kinder mit Migräne brauchen Triptan-Spray

Spray in der Hosentasche als Notfallmedikament

LEIPZIG (grue). Rasende Kopfschmerzen und dabei eine Klassenarbeit schreiben - für Kinder mit Migräne eine Horrorvorstellung. Mit einem Triptan-Spray in der Hosentasche fühlen sie sich sicherer.

Mit zehn bis 20 mg intranasalem Sumatriptan haben über die Hälfte der Kinder nach einer Stunde keine Kopfschmerzen mehr, sagte der Kinderarzt Dr. Boris Zernikow von der Kinder- und Jugendklinik in Datteln beim Schmerzkongreß in Leipzig. Bei einer maximalen Tagesdosis von 40 mg sollte das Triptan-Spray höchstens zwölfmal im Monat angewendet werden. "Kinder brauchen das Gefühl, in brenzligen Situationen etwas machen so können", so Zernikow. "Sie verwenden das Triptan wie ein Notfallmedikament."

Für die Basistherapie bei kindlicher Migräne empfiehlt Zernikow Tabletten oder Zäpfchen mit Ibuprofen in Einzeldosen von 10 bis 15 mg/kg oder mit Paracetamol 35 bis 45 mg/kg. Eine medikamentöse Migräne-Prophylaxe komme für Kinder mit häufigen Migräneattacken nur in Frage, wenn andere Maßnahmen versagen und psychologische Ursachen auszuschließen sind. Nachweislich wirksam seien aber nur Propanolol und Flunarizin, die beide die Attackenfrequenz um etwa zwei Drittel reduzieren, sagte der Pädiater.

Zernikow wies darauf hin, daß die Schmerztherapie bei Kindern oft unzureichend ist, auch weil spezielle Kinderzulassungen fehlen. Hier habe es allerdings Verbesserungen gegeben: Neu sind Paracetamol für die intravenöse Applikation (Perfalgan®) bei Kindern ab einem Jahr und ein kleines Opioid-Matrixpflaster (Durogesic®), das 12 µg Fentanyl pro Stunde freisetzt und ab Ende des Jahres auf den Markt kommen soll.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Dicker Hals = dickes Risiko fürs Herz

Nicht nur ein dicker Bauch spricht Bände – der Halsumfang eignet sich ebenfalls, um das kardiovaskuläre Risiko abzuschätzen. mehr »

Junge Ärzte müssen etwas zur Versorgung auf dem Land beitragen!

Politik und Verbände mühen sich ab, um junge Ärzte für die Versorgung auf dem Land zu begeistern. Blogger Dr. Jonas Hofmann-Eifler sieht die Verantwortung ein Stück weit auch bei sich und seinen Kollegen. mehr »

Konsequente Strategie gegen Diabetes

Angesichts der epidemischen Zunahme von Diabetes-Patienten in Deutschland, muss die nächste Bundesregierung unbedingt den Nationalen Diabetesplan umsetzen. mehr »