Ärzte Zeitung, 12.12.2005

Viele Schüler haben häufig Kopfschmerzen

Jeder Zweite nimmt Tabletten

BREMEN (sko). Jugendliche mit Kopfschmerzen scheinen schnell zu Tabletten zu greifen oder sie von ihren Eltern zu bekommen, ohne daß die Jugendlichen vorher zu einem Arzt gehen. Das lassen Daten einer bevölkerungsbezogenen Studie in der Region Vorpommern vermuten. Danach nahmen 55 Prozent der Jugendlichen mit Kopfschmerzen Medikamente ein, aber nur 25 Prozent suchten einen Arzt auf.

Die Zahlen, die Professor Wolfgang Hoffmann von der Universität Greifswald beim Schmerzkongreß in Bremen vorgestellt hat, stammen aus der Befragung von über 3300 Schülern aus 20 Schulen in Vorpommern. Die Schüler der 7. bis 9. Klasse erhielten einen Fragebogen, der persönliche Angaben, Schulform und geplanten Abschluß, Freizeitverhalten, Schmerz allgemein und speziell Kopfschmerzen erfaßte.

Dabei wurde anhand der IHS-(International Headache Society)-Kriterien zwischen Spannungskopfschmerzen und Migräne unterschieden. Nach den IHS-Kriterien wird Migräne diagnostiziert, wenn bei fünf aufeinanderfolgenden Attacken die Dauer vier bis 72 Stunden betrug (bei Kindern auch zwei bis 48 Stunden); zusätzliche Symptome wie Lichtempfindlichkeit oder Übelkeit auftreten, die Beschwerden bei Aktivität stärker werden und eine andere Ursache für die Kopfschmerzen ausgeschlossen ist.

Knapp 70 Prozent der Schüler gaben an, in den letzten drei Monaten Kopfschmerzen gehabt zu haben, 38 Prozent sogar mehrmals. Mädchen litten mit 79 Prozent häufiger unter Kopfschmerzen als Jungen mit 60 Prozent. Eine Migräne hatten drei Prozent der Schüler mit Kopfschmerzen. Nimmt man jedoch eine wahrscheinliche Migräne an (nicht alle IHS-Kriterien erfüllt), erhöhte sich die Prävalenz auf sieben Prozent.

Die Folgen: "An insgesamt sieben Tagen in drei Monaten waren die Jugendlichen durch ihre Kopfschmerzen beeinträchtigt", so Hoffmann. Betroffen war dabei nicht nur der Schulbesuch, sondern auch Freizeitaktivitäten wurden beeinträchtigt.

Bei der Untersuchung von Einflußfaktoren wurde festgestellt: Besonders Mädchen, Real- und Gymnasialschüler und solche mit häufigen Rückenschmerzen hatten ein höheres Risiko für Kopfschmerzen. Bei der Untersuchung der Medikation stellte sich heraus, daß sie der ähnlich waren, die auch die Eltern bei Bedarf einnehmen - für Hoffmann ein Hinweis, daß die Eltern ihre Kinder mit den Mitteln versorgen.

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