Ärzte Zeitung online, 07.08.2017

Kopfschmerzen

Kaffee plus Analgetikum – eine durchaus gute Kombi

100 mg Koffein – das entspricht einer Tasse Kaffee: Schon mit dieser Menge lässt sich die Wirkung von Analgetika bessern.

Von Marco Mrusek

Kaffee plus Analgetikum durchaus eine gute Kombi

Eine Tasse Kaffee hilft, Kopfschmerzen zu lindern.

© stockfotocz - stock.adobe.com

URI. Der Sinn einer adjuvanten Einnahme von Koffein zu Analgetika ist umstritten. Die Studienrecherche eines Schweizer Neurologen stellt nun eine zusätzliche positive Wirkung von Koffein bei Analgetika in der Therapie von Patienten mit Kopfschmerzen ab einer Dosis von 100 mg heraus. Das entspricht in etwa einer Tasse Kaffee.

"Koffeinkonsum sowie ‚Koffein als analgetisches Adjuvans‘ sollten mit Patienten im Rahmen jeder Kopfschmerz-/Migränetherapie besprochen werden", so das Fazit von Dr. Daniel Eschle vom Kantonsspital Uri (Der Neurologe & Psychiater 2016; 7-8,26-30).

Doch woher kommt überhaupt die heute beliebte Kombination aus Schmerzmitteln und Koffein? Bereits 1904 fänden sich Empfehlungen für Trimethylxanthin, so der wissenschaftliche Name von Koffein, in der Therapie bei Kopfschmerzen, berichtet Eschle.

Es lasse sich rückblickend gar nicht mehr sicher eruieren, was die Beweggründe für den Einsatz von Koffein waren.

Stimulierende Wirkung erwünscht

100 Milligramm beträgt die minimal wirksame Dosis für Koffein als Adjuvans für Analgetika.

Vermutlich, so der Neurologe, wurde Koffein zunächst verschiedenen Medikamenten unabhängig von pharmakodynamischen Überlegungen beigemischt. Dabei sei es um den stimulierenden Effekt und nicht um die schmerzmodulierende Wechselwirkung mit Adenosinrezeptoren gegangen.

Denn auf diese, genauer die Rezeptoren A1, A2A und A2B, hat Koffein eine antagonistische Wirkung, hemmt also die Wirkung von Adenosin. Dieser Stoff soll die Zellen nach einer gewissen Arbeitszeit vor Überanstrengung schützen und wirkt ermüdend. Diesen Effekt verhindert die Bindung von Koffein an die Rezeptoren.

Wie wirkt nun aber Koffein bei Schmerzen? Für die Übersichtsarbeit zu dem Thema hatte Eschle nach Studien zum Thema Koffein im Kontext von Migräne, Kopfschmerz und/oder Schmerzen gesucht.

Neun Studien erfüllten die Einschlusskriterien. Ziel von Eschles Recherche war die Beantwortung der Fragen,

» ob Koffein den Effekt der Analgetika bei Kopfschmerzen bessert,

» ob Koffein selbst eine analgetische Wirkung hat,

» ob die Wirkung von der Dosis abhängt und

» ob es relevante Nebenwirkungen und Gefahren gibt.

Analgetikasparende Option

Im Ergebnis belegt Eschles Recherche mehrheitlich eine günstige Wirkung von Koffein als analgetisches Adjuvans bei guter Verträglichkeit. Deshalb stelle Koffein als Adjuvans eine analgetikasparende Option dar, die zur Sprache kommen solle, zum Beispiel bei älteren Patienten, deren eingeschränkte Nierenfunktion den Einsatz von nichtsteroidalen Antirheumatika limitiere.

Nicht eindeutig ist die Datenlage zur Frage, ob von Koffein selbst eine analgetische Wirkung ausgeht. In einer Studie wirkte Koffein ohne Analgetikum besser als Placebo bei Spannungskopfschmerzen.

Die Wirkung von Koffein ohne Analgetikum blieb auch dann statistisch signifikant, als auf den stimmungsmodulierenden Effekt von Koffein justiert wurde. Bezüglich der nötigen Dosierung von Koffein war kein Effekt einer höheren Wirksamkeit bei einer höheren Dosis ersichtlich. Die minimal wirksame Dosis liegt Eschle zufolge bei 100 mg.

Eine Studie spricht dagegen

Nur in einer Studie wurde eine offensichtliche Häufung von Nebenwirkungen durch Koffein festgestellt, nämlich Magenbeschwerden, Nervosität und Schwindel.

Auch der immer wieder auftretenden These, dass koffeinhaltige Analgetika einen Schmerzmittelübergebrauch förderten, erteilt Eschle eine Absage. Eine Arbeitsgruppe habe keine Hinweise gefunden, dass diese Aussage zutreffe, so der Neurologe.

Koffein werde im Allgemeinen auch als sichere Substanz eingestuft. Bei einem moderaten Konsum seien gesundheitliche Bedenken deshalb nicht angebracht. Außerdem könne davon ausgegangen werden, dass Patienten ihre Koffeintoleranz und -präferenz kennen würden.

Ein größeres Problem sieht Eschle im rezeptfreien Zugang zu Analgetika und dem fehlenden Wissen über die Gefahr von Kopfschmerzen durch Analgetikaabusus.

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