Lichtlinienmessung für Bewegungs-Analysen

TÜBINGEN (ars). Mit der Projektion von Lichtlinien auf eine Körperoberfläche, zum Beispiel den Rücken, kann man eine Art Höhenkarte anfertigen und dann mit biomechanischen Modellen Haltungsstörungen analysieren. Bisher war das nur in Ruhestellung möglich, nun wollen Tübinger Sportmediziner die Lichtlinienmessung auch für die Analyse von Bewegungen nutzen, zuerst der Wirbelsäule und dann der Beine.

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Die Methode, auch als Raster-Stereographie bezeichnet, wurde von Physikern aus Münster für die klinische Anwendung entwickelt. Sie ist wertvoll, weil sie mit normalem weißem Licht funktioniert, nicht-invasiv und frei von schädlicher Strahlung ist.

Seit etwa zehn Jahren wird damit die Topographie von Körperstrukturen routinemäßig untersucht, und zwar der Wirbelsäule bei Skoliose, Lordose, Kyphose sowie des Beckens bei Beckenrotation, -schiefstand oder -torsion. Dies war bisher aber nur statisch möglich.

In einem von der EU mit 1,8 Millionen Euro geförderten Projekt wollen Dr. Walter Rapp und seine Mitarbeiter von der Universität Tübingen mit Partnern aus Belgien, Litauen und Polen das Verfahren "formetic" des Unternehmens DIERS so weiterentwickeln, daß es sich auch für eine dynamische Analyse eignet. Dies ermöglicht eine Diagnose unter wesentlich funktionelleren Bedingungen.

Während die Versuchspersonen standardisierte Bewegungen machen, bestimmen die Wissenschaftler Vorwölbungen und Vertiefungen des Rückens, lassen daraus biomechanische Modelle berechnen, rekonstruieren den Formverlauf, wobei der siebte Halswirbel und die Lumbalgrübchen als Fixpunkte dienen.

Besteht zum Beispiel ein Beckenschiefstand durch unterschiedliche Beinlängen, ist es wichtig zu wissen, was geschieht, wenn man die Differenz durch Einlagen ausgleicht. Handelt man sich eventuell eine Verkrümmung der Wirbelsäule ein? Wäre es günstiger, die Dysbalancen mit Physiotherapie anzugehen?

Um das festzustellen, stand der Patient bisher auf einer verstellbaren Plattform, das verkürzte Bein wurde Stück für Stück hochgefahren und dabei Bild um Bild gemacht. "Das kontinuierliche Messen von Bewegungen dagegen hat den Vorteil, daß man die gesamte Abfolge lückenlos aufzeichnen kann", so Rapp.

Ein weiteres Ziel sind Volumenbestimmungen, etwa des Oberschenkels nach Operation einer Knie- oder Sprunggelenk-Verletzung. Weil man damit Transversalschnitte berechnen kann wie beim CT, läßt sich der Erfolg von Reha-Maßnahmen quantifizieren, zum Beispiel, ob das verletzte Bein mit seiner Muskelatrophie so gut trainiert worden ist, daß es wieder dem gesunden gleicht.

Auch zur Prävention im Hochleistungssport eignet sich die Methode: Bei Nachwuchsathleten läßt sich feststellen, wie der Ober- zum Unterschenkel steht oder ob wegen einer X-Stellung starke Kräfte auf den Innenmeniskus wirken, so daß frühzeitig Einlagen angezeigt wären. Auch Beckenschiefstand, Wirbelsäulenverkrümmung oder Hohlkreuz könnte man über Jahre hinweg beobachten. Weiterhin besteht nach Rapps Angaben eine Vision darin, das Verfahren mit der Drucksohlenmessung zu kombinieren.

Dann könnten sich auch Freizeitsportler in Fachgeschäften beraten lassen, etwa, ob ihre Laufschuhe eine Innenverstärkung brauchen oder wie sie das Abrollen des Fußes steuern sollten - eine Dienstleistung, wie beim Optiker, der ja auch vorm Brillenkauf die Augen ausmißt. Nur daß die Lichtlinienprojektion schneller ist: Die Meßzeit beträgt nur drei Minuten.

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