Ärzte Zeitung, 02.08.2005

Ersatzknochen läßt sich gut im Körper züchten

Künstlich geschaffene Hohlkammer unterm Periost füllt sich mit neuem Knochengewebe / Klinische Studien geplant

NASHVILLE (mut). Mit einer recht einfachen Methode läßt sich autologer Knochen im Körper nachzüchten: Wird unter dem Knochenperiost ein künstlicher Hohlraum geschaffen, wächst an dieser Stelle Knochen nach. Dieser kann leicht in Knochendefekte an einer anderen Stelle verpflanzt werden.

Der Ersatzknochen (links) ist durch eine Art Sollbruchstelle (Linie) mit der Tibia verbunden und kann leicht abgetrennt werden. Foto: Stevens, Langer & Shastri

Ersatzknochen wird nach schweren Brüchen benötigt, bei Wirbelversteifungen oder wenn Knochengewebe durch einen Tumor zerstört wurde. Ersatzknochen wird bisher meist aus dem Beckenkamm gewonnen. Die Menge, die sich dort entnehmen läßt, ist jedoch relativ gering, und die Patienten haben oft noch Jahre nach dem Eingriff Schmerzen.

Eine Alternative hat jetzt ein internationales Forscherteam unter Leitung von Professor Venkatram Prasad Shastri aus Nashville in den USA entwickelt. Die Methode wurde zunächst bei 26 Kaninchen erprobt und soll nun auch in klinischen Studien geprüft werden.

In den Tier-Experimenten trennten die Forscher in einem Bereich der Tibia das Periost vom darunterliegenden Knochen und schufen so einen kleinen Hohlraum (etwa 3 mal 0,7 mal 0,1 cm). In diesen injizierten sie ein biologisch abbaubares Alginat-Gel. Durch den Eingriff wurde das Periost zur Wundheilung angeregt und bildete neues Knochengewebe.

Nach etwa sechs Wochen war die Gel-Kammer mit Knochengewebe gefüllt, das die selben biomechanischen Eigenschaften wie normal gewachsener Knochen hatte, also eine vergleichbare Festigkeit und Mineralisierung. Der neu gewachsene Knochen ließ sich leicht von der Tibia trennen und in einen Defekt in der kontralateralen Tibia verpflanzen.

Nach weiteren sechs Wochen hatte der verpflanzte Knochen den Defekt komplett geheilt, berichten die Forscher in der aktuellen Online-Ausgabe der Zeitschrift "PNAS".

Nach dem Erfolg im Tierexperiment sollen in den nächsten Monaten klinische Studien bei Patienten mit komplizierten Tibia-Frakturen beginnen, so Prasad Shastri zur "Ärzte Zeitung". Ein Vorteil der Methode sei auch, daß sie im Vergleich zur Züchtung von Ersatzknochen in vitro wesentlich günstiger und weniger aufwendig ist.

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