Ärzte Zeitung online, 05.02.2013

In echt sieht's schlimmer aus

MRT unterschätzt Schäden am Knieknorpel

Knorpeldefekte im Knie sind intraoperativ meist ausgedehnter, als es vorherige Schätzungen anhand eines MRT vermuten ließen. US-Sportmediziner raten Kniechirurgen daher, entsprechende Vorkehrungen zu treffen.

MRT unterschätzt Schäden am Knieknorpel

Knie-MRT.

© Entropia / fotolia.com

COLUMBUS. In Wirklichkeit ist alles noch viel schlimmer - wer so denkt, ist entweder depressiv oder hat Erfahrung in der Kniearthroskopie.

Denn das Ausmaß von Knorpelschäden, das sich dem arthroskopierenden Auge im Knie offenbart, liegt im Durchschnitt etwa dreifach über dem Schadensmaß, welches das Magnetresonanztomogramm (MRT) präoperativ vermuten lässt.

Dokumentiert haben das US-amerikanische Mediziner um Andrew Campbell von der Ohio State University in Columbus. Sie hatten sich die MRTs von 77 Patienten angesehen, die vor einer arthroskopischen Knieoperation in den Tomografen geschoben worden waren (Am J Sports Med 2013; 16. Januar).

In der Summe wurden damit 92 Knorpeldefekte diagnostiziert, die im Mittel 1,04 cm2 groß waren - angeblich. Intraoperativ nämlich stießen die Chirurgen auf Defektgebiete, die durchschnittlich eine Fläche von 2,99 cm2 aufwiesen. Insgesamt waren drei Viertel aller Läsionen am Ende ausgedehnter, als vor der Operation vermutet.

Offenbar lassen sich lose, fragmentierte oder abblätternde Knorpelanteile rund um die Hauptläsionen im MRT kaum darstellen. Auf das Läsionsausmaß kommt es aber entscheidend an, wenn die geeignete Versorgungsstrategie gewählt werden soll.

Campbell und seine Kollegen raten den Operateuren daher, sich bei Operationen am Knieknorpel stets auf Schlimmeres gefasst zu machen: "Dazu gehört auch, die Patienten vor dem Eingriff darüber aufzuklären, welche Rolle die Größe des Schadens für die Reparatur spielt, und die je nach intraoperativem Befund verfügbaren Optionen mit ihnen zu besprechen." (rb)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Spahn soll Gesundheitsminister werden

Jünger und weiblicher will die CDU-Chefin ihr Kabinett und ihre Partei machen. In Männerhand bleibt das Gesundheitsressort: Jens Spahn soll hier der neue Minister werden. mehr »

Als Ärzte zu Mördern wurden

Vor 78 Jahren haben Ärzte auf der Schwäbischen Alb in Grafeneck erstmals Patienten mit Gas ermordet. Nachdem 10.654 Menschen tot waren, setzte das Schweigen ein. Jetzt hat die Ärztekammer an das dunkle Kapitel erinnert. mehr »

Praxen und Kliniken melden "Land unter"

Die heftige Grippewelle bringt Arztpraxen und Krankenhäuser an die Kapazitätsgrenzen. Manche Praxen müssen selbst wegen vieler erkrankter Mitarbeiter schließen, Kliniken nehmen teilweise keine Patienten mehr an. mehr »