Ärzte Zeitung, 07.02.2013
 

Kommentar zum Tennisellenbogen

Kortisonspritzen sind raus

Von Thomas Meißner

Spätestens nach der jetzt hochrangig publizierten australischen Studie dürfte kein Patient mit Tennisellenbogen mehr lokale Kortikosteroid-Injektionen erhalten. Denn der bereits seit langem gehegte Verdacht hat sich bestätigt: Langfristig nützen sie nichts, sie schaden sogar.

Die Rezidivrate von über 50 Prozent innerhalb eines Jahres ist ein überdeutliches und mit früheren Befunden übereinstimmendes Ergebnis. Da ist "aggressives Zuwarten" effektiver.

Führt man sich vor Augen, dass der biologische Effekt von Kortikosteroiden fraglich ist, da bei Epicondylitis radialis humeri niemals histologische Anzeichen einer akuten Entzündung detektiert worden sind, und dass im Gegenzug mit negativen Auswirkungen auf die Kollagen-Synthese und die extrazelluläre Matrix gerechnet werden muss, erscheinen Diskussionen über etwaige andere Wirkmechanismen akademisch.

Zuallererst nicht zu schaden, das ist ein medizinethischer Grundkonsens. Damit müssen Kortikosteroide nun bei Tennisellenbogen als obsolet gelten.

Differenzierter muss man das auf den ersten Blick enttäuschende Studienergebnis für die Physiotherapie betrachten. Sie schadet nicht, sie hat in den ersten Wochen günstige Wirkungen und: Die Heilungsrate lag nach einem Jahr bei 100 Prozent.

Lesen Sie dazu auch:
Tennisellenbogen: Steroid-Injektionen schaden

[07.02.2013, 08:49:27]
Andreas Schwartz 
Physiotherapie gleich Physiotherapie, Medizin gleich Medizin?
Danke für Ihren Hinweis zur Betrachtung der Physiotherapie in Zusammenhang mit der vorgestellten Studie.
In dieser wurde untersucht, ob die Injektion eines Wirkstoffes effektiver ist als eine bestimmte physiotherapeutische Intervention, die jedoch später nur noch generalisiert als "Physiotherapie" wahrgenommen wird.
Anders herum könnte man ja formulieren: "Querfriktion am Sehnenansatz gleich gut wie Medizin".
Es gibt völlig unterschiedliche physiotherapeutische Ansätze, sinnvolle und natürlich völlig sinnfreie.
So wie in der Medizin eben. zum Beitrag »

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