Ärzte Zeitung, 11.08.2015

Gelenkersatz

Rauchen beeinträchtigt Wundheilung

Raucher, die ein künstliches Hüft- oder Kniegelenk erhalten haben, sind gefährdeter für Wundkomplikationen als dies Nichtraucher nach derselben Op sind.

IOWA CITY. Rauchen mindert den Blutfluss im Gewebe, löst eine Hypoxie aus und senkt die Kollagensynthese.

Nach ermutigenden Hinweisen aus einigen kleineren Studien, dass es sich mit Blick auf die postoperativen Komplikationsraten lohnt, Raucher vor Eingriffen zum Hüft- oder Kniegelenkersatz dem Tabak zu entwöhnen, haben Forscher der University of Iowa jetzt dazu Infos zu den Krankheitsverläufen von 78.191 Patienten mit totalendoprothetischem Ersatz des Hüft- oder Kniegelenks analysiert.

Die bewerteten Infos sind in der Datenbank des American College of Surgeons National Surgical Quality Improvement Program (ACS NSQIP) niedergelegt. 82 Prozent der Patienten waren Nichtraucher, 8 Prozent ehemalige und 10 Prozent aktive Raucher.

Die univariate Analyse ergab für die ersten 30 Tage nach Op eine höhere Rate an Wundkomplikationen unter den Aktivrauchern, sie lag bei 1,8 Prozent verglichen mit 1,3 und 1,1 Prozent bei Ex- und Nichtrauchern (J Bone Joint Surg Am 2015; 97 (13): 1049 -1058).

Raucher: Erhöhtes Risiko für Wundkomplikationen

Tiefe Wundinfektionen traten bei Rauchern doppelt so häufig auf. Exraucher trugen mit sieben Prozent das höchste Gesamtrisiko für Komplikationen, zu denen neben den genannten Wundproblemen andere Zwischenfälle wie Thrombosen und Embolien bis hin zum Tod gehörten (Aktivraucher 5,9 Prozent, Nichtraucher 5,4 Prozent).

Um Differenzen zwischen den drei Gruppen - etwa in Hinblick auf Alter, auf den BMI und bei Begleiterkrankungen - auszugleichen, wurde eine multivariate Analyse gestartet.

Sie ergab ein um 47 Prozent erhöhtes Risiko für Wundkomplikationen bei Rauchern im Vergleich zu Nichtrauchern.

In puncto Gesamtkomplikationen lagen Raucher und Exraucher etwa gleichauf, ihr Risiko gegenüber den Nichtrauchern lag rund 20 Prozent höher.

Dabei zeichnete sich ein Trend zur Abhängigkeit von der Tabakdosis im Sinne von Packungsjahren ab. Keine Unterschiede waren hinsichtlich der Mortalität festzustellen.

Da die genutzte Datenbank nur Daten für die ersten 30 Tage nach Op liefert, sollen künftige Studien die längerfristigen Folgen des Rauchens für die Ergebnisse des Gelenkersatzes in den Fokus nehmen. Näher geklärt werden soll auch, wie sich eine Raucherentwöhnung auswirken würde. (rb)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Hüpfen und Einbeinstand halten fit

Hüpfen, Treppensteigen oder auf einem Bein Zähneputzen: Mit bewussten, einfachen Übungen können alte Menschen ihre Beweglichkeit erhöhen und die Sturzgefahr senken. mehr »

Gala mit Herz und Verstand

Mit einer festlichen Gala hat Springer Medizin pharmakologische Innovationen und ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet. Die Preisträger vermittelten Hoffnung auf Heilung und auf Hilfe, hieß es am Donnerstagabend. mehr »

Das sind die Gewinner des Galenus-von Pergamon-Preises 2017

Mit dem Galenus-von-Pergamon-Preis, der auch international große Anerkennung findet, wurden erneut Exzellenz in der deutschen pharmakologischen Grundlagenforschung und die Entwicklung innovativer Arzneimittel gekürt. mehr »