Ärzte Zeitung, 20.08.2015

Bei Säuglingen

Hüft-Sono oft nicht genutzt

BERLIN. Das Hüft-Screening bei Säuglingen per Ultraschall ist seit 1996 fester Bestandteil der U3-Untersuchung. Dennoch werde die Hüftsonografie immer noch 50.000 bis 70.000 Säuglingen pro Jahr vorenthalten, kritisieren Experten im Vorfeld des Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU).

So wurde in den Jahren 2006 bis 2009 nur bei 83 bis 85 Prozent der Säuglinge die empfohlene Hüft-Sonografie bei der U3-Untersuchung angewendet. Hinzu komme, dass jeder vierte Hüft-Ultraschall nicht sachgemäß durchgeführt wurde, heißt es in der Mitteilung.

Ein qualitätssicherndes Programm soll hier Abhilfe schaffen. Studien zeigten, dass die Säuglings-Sonografie nicht nur ökonomisch überlegen ist - sie halbiere auch das Risiko für eine Op, wird Professor Rüdiger Krauspe in der Mitteilung zitiert.

Krauspe ist Kongress-Präsident des DKOU und Direktor der Klinik und Poliklinik für Orthopädie am Universitätsklinikum Düsseldorf."Insgesamt können wir 10 bis 15 Prozent aller Hüft-Prothesen-Op's bei Patienten unter 50 Jahren auf eine Hüftdysplasie zurückführen", so Krauspe.

Unbehandelt könne es zudem zu Komplikationen kommen, etwa einer Fehlstellung, bei der der Gelenkkopf aus der Hüftpfanne herausspringt. Die Kinder können die Beine dann nicht mehr richtig vom Körper abspreizen. Ein Hohlkreuz oder Watschelgang können bei Kindern Anzeichen sein. "Entdecken Eltern diese Symptome, sollten sie einen Orthopäden aufsuchen", so Krauspe.

Ansonsten droht auch noch eine Wirbelsäulenverkrümmung.Im Anfangsstadion behandeln Orthopäden instabile Hüften standardmäßig für vier bis sechs Wochen mit einem Sitz-Hock-Gips.

Bei konsequenter Mitarbeit der Eltern kann eine Pavlik-Bandage oder eine Beuge-Spreiz-Schiene (z.B. Tübinger Schiene) helfen, um die Hüfte zu zentrieren und Zeit für die Nachreifung zu gewähren.

Eine Operation, bei der der Orthopäde das Becken an drei Stellen durchtrennt, die Hüftpfannenposition normalisiert und in der korrigierten Stellung das Becken wieder zusammenschraubt, sei bei einer frühen Diagnose mittels Ultraschall nicht nötig, so Krauspe in der Mitteilung. "Unser Ziel muss es daher sein, alle Neugeborenen mittels Ultraschall zu untersuchen." (eb)

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