Rheuma

Sammeln Sie CME-Punkte - 30 Tage kostenlos mit e.Med
Modul: Medikamentöse Therapie der rheumatoiden Arthritis und ihrer Komorbiditäten

Weitere Module zu anderen Themen auf der Startseite unserer Sommerakademie
Ärzte Zeitung online, 10.05.2017

Endoprothesen

Vor Op mit Chlorhexidin waschen!

Lässt sich das Infektionsrisiko bei Hüft- und Knieprothesen senken, wenn die Patienten vor dem Eingriff Chlorhexidin-Waschungen vornehmen? Zumindest bei Rezidivoperationen könnte das Sinn machen.

Von Philipp Grätzel von Grätz

BERLIN. Infektionen bei der Hüft- und Knieendoprothetik betreffen nur ein bis zwei Prozent der Patienten, aber sie sind oft gravierend. Problematisch seien vor allem Revisions-Operationen, betonte Professor Anke Eckardt von der Hirslanden Klinik Birshof, Schweiz, beim Praxis Update in Berlin. Hier würden bei 15 bis 25 Prozent der Patienten Infektionen im Operationsgebiet beschrieben.

Deswegen stellt sich die Frage präventiver Strategien bei diesen Patienten mit besonderer Dringlichkeit. Da die meisten der mit chirurgischen Eingriffen assoziieren Infektionen auf Staphylococcus aureus zurückgehen, werden seit einiger Zeit Maßnahmen diskutiert, mit denen die Patienten schon zu Hause im Vorfeld einer Operation ihre Besiedlung reduzieren.

Zunehmend als effektiv angesehen würden Körperwaschungen mit Chlorhexidin, so Eckardt. Die Orthopädin berichtete über eine randomisierte Studie aus den USA, an der 554 Patienten teilnahmen, die am Sinai Hospital of Baltimore in Maryland eine Totalendoprothese an Knie oder Hüfte erhielten. Die Hälfte der Patienten sollte sich am Vorabend der Operation und noch einmal am Morgen mit in 2-prozentiger Chlorhexidin-Lösung getränkten Waschlappen waschen. Der anderen Hälfte wurden Wasser und Seife empfohlen.

Das machte einen Unterschied: Periprothetische Infektionen traten in der Seife-Gruppe bei 2,9 Prozent der Patienten auf, in der Chlorhexidin-Gruppe nur bei 0,4 Prozent. Nach Adjustierung war das Infektionsrisiko in der Gruppe ohne Chlorhexidin gut achtmal höher. Das war statistisch signifikant (p=0,049) (J Arthroplasty 2016; 31: 2856-61).

Zu den Besonderheiten der Studie zählt, dass die Patienten nicht selektiert wurden. Vor einigen Jahren gab es schon einmal eine randomisierte Studie, bei der Patienten vor unterschiedlichen Operationen geraten wurde, sich fünf Tage lang mit Chlorhexidin-Seife zu waschen und Mupirocin-Nasensalbe zu applizieren (N Engl J Med 2010; 362:9-17). Dadurch wurde das Risiko postoperativer Staphylococcus aureus-Infektionen aller Art halbiert.

Allerdings waren in dieser Studie Patienten mit nasaler Kolonisation mittels PCR-Test gezielt selektiert worden. Der unselektierte, flächendeckende Einsatz von Chlorhexidin-Waschungen ist demgegenüber weniger aufwändig und deutlich kostengünstiger. Er werde deswegen in der Endoprothetik zunehmend diskutiert, zumal der Patient damit gut eingebunden werden könne. "Ein bisschen mehr Evidenz bräuchten wir aber schon noch", so Eckardt.

Praxis Update 2017

Online-Anmeldungen für das Praxis Update in Köln und Hamburg am 19. und 20. Mai sind möglich unter: praxis-update.com/anmeldung

Vor Op mit Chlorhexidin waschen!

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Macht Sport so glücklich wie Geld?

Wer moderat Sport treibt, ist seltener unglücklich und kann damit offenbar Gehaltseinbußen von rund 22.000 Euro jährlich emotional kompensieren, so eine US-Analyse. mehr »

Experimentelle Arznei lindert Juckreiz

Forschende der Universität Zürich haben einen neuen Ansatz entdeckt, mit dem sich Juckreiz unterdrücken lässt. In einer Studie linderten sie damit nicht nur akute, sondern auch chronische Beschwerden. mehr »

Politiker fordern nach Valsartan-Skandal mehr Kontrollen

Seit Wochen erhitzt der Valsartan-Skandal die Gemüter. Patienten fühlen sich schlecht informiert. Wie sehen Gesundheitspolitiker das Dilemma? Die "Ärzte Zeitung" hat nachgefragt. mehr »