Ärzte Zeitung, 29.06.2017
 

Düstere Prognose

Deutet Knacken im Knie auf Gelenkverschleiß?

Knirschende, knackende Knie weisen möglicherweise auf ein erhöhtes Arthroserisiko hin.

Deutet Knacken im Knie auf Gelenkverschleiß?

Forscher untersuchten den Zusammenhang zwischen Crepitus und der Entwicklung einer späteren Kniegelenksarthrose.

© Juriah Mosin / Hemera / Thinkstock

HOUSTON. Ein Zusammenhang zwischen subjektiv beschriebenem Crepitus und der Entwicklung einer späteren Kniegelenksarthrose wurde bislang nicht untersucht.

Dem hat sich jetzt ein Team um Dr. Grace Hsiao-Wei Lo vom Baylor College of Medicine in Houston, Texas, gewidmet: Die Forscher wählten 3495 Probanden aus, die an der "Osteoarthritis Initiative", einer Longitudinalstudie an vier universitären Zentren in den USA, teilgenommen hatten (Arthr Care Res 2017; online 4, Mai). Zu Studienbeginn waren sie im Mittel 61 Jahre alt, der mittlere BMI lag bei 28,2.

Die Teilnehmer sollten unter anderem beantworten, ob sie ein "Knirschen, Knacken oder irgendein anderes Geräusch" vernahmen, wenn sie ihr rechtes Knie bewegten. Zudem wurden Symptome wie Schmerzen oder Steifheit im vergangenen Jahr abgefragt und Postero-anterior(PA)-Röntgenaufnahmen im Stehen (bei leicht gebeugtem Kniegelenk und um 10° nach innen rotierten Füßen) angefertigt.

Probanden wurden wieder einbestellt

Nach einem, zwei, drei und vier Jahren wurden die Probanden wieder einbestellt und auf das Vorliegen einer symptomatischen Kniegelenksarthrose (symptomatic osteoarthritis,SOA) untersucht. Als Kriterium galten häufige Schmerzen sowie ein tibiofemoraler Kellgren-Lawrence-Grad ≥ 2Der subjektiv wahrgenommene Crepitus sagte die spätere Entwicklung einer SOA in der Gesamtgruppe signifikant voraus.

Dabei trat das Gros der Fälle (rund 75 Prozent) bei Patienten auf, die zu Beginn eine radiologisch nachweisbare Gonarthrose, aber meist keine Schmerzen im Knie hatten. In dieser Gruppe war der Crepitus eindeutig prädiktiv für die Entwicklung häufiger Knieschmerzen nach einem und nach vier Jahren.

Bei Teilnehmern, die bei der Basisvisite weder radiologische noch häufige klinische Symptome aufwiesen, war der Crepitus nicht prädiktiv für eine SOA nach einem Jahr, wohl aber für eine spätere SOA.

"Ein nützliches Symptom"

"Diese Befunde", so Lo und ihr Team, "legen nahe, dass der Crepitus ein nützliches Symptom zur Vorhersage einer symptomatischen Arthrose im Zeitverlauf darstellt." 3,4 Prozent aller Teilnehmer hatten bei der initialen Befragung berichtet, "immer" Crepitus-Geräusche wahrzunehmen, wenn sie das Knie bewegten.

5,6 Prozent hörten solche Geräusche oft, 15,1 Prozent manchmal, 10,8 Prozent selten und 65,1 Prozent nie. Innerhalb von vier Jahren hatten 18,1 Prozent der Teilnehmer eine SOA entwickelt. Dabei stieg die Inzidenz mit zunehmender Crepitus-Häufigkeit signifikant.

Bei Männern sowie bei älteren Teilnehmern (65 Jahre und darüber) war die Assoziation "Crepitus – SOA" besonders ausgeprägt. "Dies könnte darauf hindeuten, dass dem Crepitus in den verschiedenen Subgruppen unterschiedliche Pathologien zugrunde liegen", vermuten die Autoren. (eo)

[29.06.2017, 11:35:08]
Patricia Klein 
Gesunder Menschenverstand
Ich bin doch immer wieder verblüfft, dass es jetzt auch für den gesunden Menschenverstand "Evidenz" geben muss.
Ich hätte gedacht, hier hätte die Tatsache, dass dieser Sachverhalt "evident" ist, ausgereicht... zum Beitrag »

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