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Ärzte Zeitung online, 22.06.2018

Kleine Studie

O-Saft senkt das Gicht-Risiko

Vom Saulus zum Paulus? Forscher brechen jetzt eine Lanze für Orangensaft: Er reduziert den Harnsäure-Spiegel und macht nicht unbedingt dick – aber nur unter bestimmten Voraussetzungen.

Von Alexander Joppich

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Der Ruf von Orangensaft hat in den letzten Jahren Kratzer bekommen: zum Teil zu Unrecht, so zwei Studien.

© hansgeel / stock.adobe.com

KIEL/HOHENHEIM. Forscher der Universitäten Kiel und Hohenheim bewerten Orangensaft nach zwei Studien neu: Eine Verteuflung sei nicht gerechtfertigt. Der Fruchtsaft reduziere das Gicht-Risiko und führt generell nicht zu einer Gewichtszunahme, wenn er zu den Mahlzeiten getrunken wird.

In der ersten Studie im Fachmagazin "Clinical Nutrion" untersuchten die Wissenschaftler, wie Orangensaft und koffeinfreie Cola den Harnsäurespiegel beeinflusst (10.1016/j.clnu.2018.02.028). Ein erhöhter Harnsäurespiegel steht im Verdacht, das Gicht-Risiko zu fördern. Die 26 Probanden der Cross-Over-Studie konsumierten zwei Wochen lang täglich etwa 1,2 Liter Saft beziehungsweise rund einen Liter Cola, was 20 Prozent des Energiebedarf darstellte. Nach einer Auswaschphase von einer Phase wechselten die Teilnehmer die Gruppe.

Harnsäuresenkende Wirkung

"Auch bei diesem sehr hohen Konsum führte Orangensaft im Unterschied zu Cola zu keiner Beeinträchtigung des Glukosestoffwechsels, und der Harnsäurespiegel wurde sogar signifikant gesenkt," sagt Ernährungsmedizinerin Prof. Dr. Bosy-Westphal zu den Ergebnissen in einer zugehörigen Mitteilung. Die Forscher vermuten, dass der Harnsäure-senkende Effekt durch das Vitamin C beziehungsweise durch die Aufnahme von Flavonoiden, insbesondere Hesperidin, zu Stande kommt.

Der Saft eigne sich deshalb möglicherweise zur Hyperurikämie-Vorbeugung, was wiederum auch zur Prävention von Arthritis urica führen könnte, da sich Harnsäure weniger in Gelenken auskristallisiere.

Kein Dickmacher

Die selben Teilnehmer nahmen an einer zweiten Cross-Over-Studie teil, in der die Forscher ihren Metabolismus untersuchten ("Nutrion & Diabetes", 10.1038/s41387-018-0031-3). Eine Gruppe trank dreimal täglich zwei große Gläser Orangensaft à 200 ml zu jeder Mahlzeit, die andere konsumierte die insgesamt 1,2 Liter zwischen den Mahlzeiten. Der Glukose-Spiegel wurde gemessen, ebenso die Insulinausschüttung und das Körperfett.

"Wir konnten zeigen, dass auch dieser sehr hohe Konsum keine negativen Auswirkungen auf das Körpergewicht hatte – wenn der Saft nicht zwischendurch getrunken wurde", so Bosy-Westphal in der Mitteilung. Der Saft verringere in diesem Fall die spontane Energieaufnahme mit den Mahlzeiten.

Tranken die Probanden den Saft zwischen den Mahlzeiten, verzeichneten die Forscher einen leichten Körperfett-Anstieg. Dagegen veränderte sich der Tages-Glukosespiegel und die Insulinausschüttung nicht signifikant.

Empfehlung als Nährstofflieferant

Der Fruchtsaft könne in üblichen Mengen bedenkenlos konsumiert werden, insbesondere da er eine Quelle für Vitamine und bioaktive Stoffe sei: Ein Glas am Tag sei ratsam; nicht dagegen der literweise Verzehr als Durstlöscher, schreiben die Autoren.

Dafür sei der Saft aber ohnehin unverdächtig: Der durchschnittliche Konsum liegt den Forschern zufolge bei 7,5 Liter pro Jahr in Deutschland. Im Vergleich: Bei Limonade liegt er bei rund 75 Litern.

Dieser Beitrag wurde aktualisiert am 28.8.2018 um 10.30 h

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[28.06.2018, 16:57:30]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Manchmal verstehe ich die Welt nicht mehr!

Da berichtet ÄZ-Autor Alexander Joppich mit dem Titel: "O-Saft senkt das Gicht-Risiko"
gewissenhaft über 2 wissenschaftliche Publikationen, welche selbst bei hohem Orangensaftkonsum von 1,2 Litern pro Tag (!) positive Effekte kritisch beleuchten, insbesondere wenn der O-Saft zu den Mahlzeiten und nicht als zusätzliche Zwischenmahlzeit getrunken wird.

Dazu wird aus unqualifizierter Heilpraktiker-Sicht eine Lebergefährdung herbeifantasiert und eine vermeintliche Umwandlung von Fructose in Triglyceride bemüht ("Wir wissen doch alle...").

Unwissen herrscht offensichtlich darüber, dass der "Fructosegehalt in verschiedenen Pflanzen (in g/100g) [bei der] Nabelorange [Apfelsine] [gegenüber den] Gesamtkohlenhydraten inkl. Ballaststoffe 12,5 [und einem] Gesamtzucker 8,5 [beim] Fruktosegehalt [von nur] 2,25 [g/100g] liegt.
Nur zum Vergleich: Weintrauben haben 8,1, Birnen 6,2 und Trockenfeigen 22,9 g/100g Fructose.
WIKIPEDIA nach Search the USDA National Nutrient Database for Standard Reference. https://de.wikipedia.org/wiki/Fructose

"Überschrift ist Frechheit" disqualifiziert sich m. E. aus ernährungsmedizinischer Sicht von selbst.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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[27.06.2018, 22:56:57]
Andreas Klink 
Und was sagt die Leber dazu?
Dann würde ich aber gerne einmal die Leberwerte dazu sehen! Wir wissen doch alle, dass gelöste Fructose in Triglyceride umgewandelt werden. Ich bin da sehr skeptisch, zumal ein hoher Harnsäurespiegel durch andere Faktoren, wie z.B. hoher Getreidekonsum und Fertigprodukten zustande kommt! zum Beitrag »
[25.06.2018, 18:21:30]
Michael Odinius 
Überschrift ist Frechheit
Es ist schon erstaunlich, wie kreativ und manipulativ Überschriften gewählt werden. Als Teilnehmer des Ernährungskongresses habe ich eine andere Botschaft der Studie mitgenommen:
O-Saft zu den MZ führt kompensatorisch zu einer verminderten Energieaufnahme bei der Mahlzeit, wohingegen der Konsum als Zwischenmahlzeit diese kompensatorische Minderaufnahme nicht hat und zu einer höheren Gesamtenergieaufnahme führt.

Von diesem Ergebnis zur Botschaft: "O-Saft hält schlank zu kommen" ist schon verwunderlich.

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