Ärzte Zeitung, 19.04.2005

Deutlich mehr Remissionen bei Arthritis durch Kombitherapie

Methotrexat plus Etanercept ist einer Monotherapie mit einer der Substanzen überlegen / Ergebnisse der TEMPO-Studie mit 622 Patienten

MÜNCHEN (wst). Eine Therapie für Patienten mit Rheumatoider Arthritis (RA) sollte nach Möglichkeit die progressive Gelenkzerstörung aufhalten, um Bewegungsfunktionen langfristig zu erhalten. Eine wirksame Option dafür ist offenbar die Kombination von Methotrexat (MTX) und Etanercept (Enbrel®).

Rheumatoide Arthritis an den Fingergelenken. Eine Kombitherapie bremst die Gelenkzerstörung besonders effektiv. Foto: PhotoDisc

Das hat Professor Jörn Kekow von der Universitätsklinik Magdeburg betont. Der Rheumatologe präsentierte hierzu die aktuellen Zweijahres-Ergebnisse der über eine Dauer von drei Jahren geplanten TEMPO-Studie (Trial of Etanercept and Methotrexate with Radiographic Patient Outcomes).

In der Studie sind jetzt die Daten von 622 Patienten ausgewertet worden. Die Patienten waren wöchentlich mit 7,5 mg bis 20 mg MTX oral oder mit zweimal 25 mg Etanercept subkutan oder mit beiden Substanzen zusammen behandelt worden.

Nach zwei Jahren waren unter MTX etwa 16 Prozent der Patienten und unter Etanercept 23 Prozent in ständiger klinischer Remission. Mit der Kombination von MTX plus dem TNF-alpha-Blocker waren es aber immerhin 41 Prozent der Patienten.

Die Überlegenheit der Kombination habe sich auch in den radiologischen Befunden widergespiegelt, wie Kekow auf einer Pressekonferenz des Unternehmens Wyeth in München berichtet hat. Hierzu wurde das Ausmaß von Gelenkspalt-Verschmälerungen und Erosionen anhand des Total Sharp Score (TSS) beurteilt.

Nach Ablauf des zweiten Studienjahres habe sich dabei im Vergleich zum Ausgangswert unter Monotherapie mit MTX eine signifikante Änderung von durchschnittlich 3,34 Punkten ergeben, so der Rheumatologe. Unter Etanercept sei die Differenz zum Ausgangswert mit 1,10 Punkten schon deutlich geringer gewesen. Und mit der Kombination aus MTX plus Etanercept sei innerhalb der zwei Jahre Therapie sogar ein Rückgang des TSS um 0,56 Punkte erreicht worden.

Dies gilt als Beleg, daß unter der Kombinationstherapie Reparaturvorgänge an Gelenkstrukturen möglich sind. Ähnliches habe bislang bei RA für keine andere Therapie dokumentiert werden können, betonte Kekow. Aufgrund dieser guten Ergebnisse sei die TEMPO-Studie jetzt entblindet und allen Studienteilnehmern die beste Therapie zugänglich gemacht worden.

Daß Etanercept auch nach längerer Einnahme sicher und wirksam ist, haben Anwendungsbeobachtungen von bislang bis zu sieben Jahren Dauer ergeben. In diesen Praxisstudien sei kein signifikanter Wirksamkeitsverlust und kein Anstieg unerwünschter Arzneimittelwirkungen zu verzeichnen gewesen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Angst vor Stürzen sorgt für Verzicht auf Antikoagulans

Ein erhöhtes Sturzrisiko ist noch immer der häufigste Grund, auf eine orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern zu verzichten. mehr »

Warum der Zuckersirup zum dicken Problem werden könnte

Seit Anfang Oktober gibt es in der EU keine Quotenregelung mehr für die aus Mais, Getreide oder Kartoffeln gewonnene Isoglukose. Experten befürchten eine Zunahme von Übergewicht und Diabetes. mehr »

Stotter-Therapie im virtuellen Raum

Geschätzt über 800.000 Bundesbürger stottern. Viele von ihnen ziehen sich komplett zurück, weil sie Ablehnung fürchten. Ein Ausweg: Therapie-Methoden, bei denen man zunächst zu Hause sprechen übt – online. mehr »