Ärzte Zeitung, 14.06.2005

Hinweis, daß frühe Behandlung bei Bechterew nützt

WIEN (gvg). Seit es Antikörper gegen den Entzündungsbotenstoff TNF alpha gibt, hoffen Rheumatologen, auch bei Morbus Bechterew durch eine frühe Therapie den Krankheitsverlauf zu bremsen. Zunehmend gibt es Hinweise, daß das Konzept aufgehen könnte.

Für Professor Joachim Sieper von der Charité Berlin sind die Indizien für die protektive Wirkung einer Frühtherapie bereits ziemlich überzeugend: "Behandeln Sie Patienten mit Morbus Bechterew früh!", gab er seinen Kollegen auf dem Europäischen Rheumatologen-Kongreß (EULAR) in Wien mit auf den Weg. Er gab allerdings zu, daß Daten, nach denen sich durch eine Frühtherapie zweifelsfrei die radiologische Progression stoppen läßt, noch fehlen.

Hinweise allerdings gebe es: So habe kürzlich eine Untersuchung mit 25 Bechterew-Patienten ergeben, daß sich durch eine Therapie mit dem Biological Etanercept (Enbrel®) die mit MRT nachweisbare Entzündungsreaktion in den Sakroiliakal-Gelenken stark verringern lasse, so Sieper auf einer von Wyeth unterstützten Veranstaltung. Auch für andere Biologicals gebe es diesen Nachweis.

Klinisch sei zudem gezeigt worden, daß eine antientzündliche Therapie mit TNF-alpha-Blockern umso besser wirke, je früher mit ihr begonnen werde. Bei einer Krankheitsdauer von weniger als zehn Jahren sei der Anteil der Patienten mit einer mindestens 50prozentigen Verbesserung im Krankheitsscore BASDAI mehr als doppelt so hoch wie bei jenen, die bereits über zwanzig Jahre an einem Morbus Bechterew leiden.

Sieper erinnerte daran, daß die Krankheitsaktivität bei Morbus Bechterew bereits im Frühstadium sehr hoch ist. Eine eigene Studie mit 400 Patienten habe ergeben, daß Patienten, die noch keine radiologisch faßbaren Veränderungen in den Sakroiliakal-Gelenken haben, bei Scores zur Krankheitsaktivität und bei Schmerz-Scores genauso schlecht abschneiden wie jene, bei denen radiologisch bereits eine Sakroiliitis vorliegt.

Siepers Fazit ist eindeutig: Alles deutet auf den Nutzen einer möglichst frühen Behandlung. Standard sind hier nicht-steroidale Antirheumatika. Wenn zwei verschiedene NSAR nacheinander keinen Erfolg bringen, werden TNF-alpha-Blocker empfohlen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Dicker Hals = dickes Risiko fürs Herz

Nicht nur ein dicker Bauch spricht Bände – der Halsumfang eignet sich ebenfalls, um das kardiovaskuläre Risiko abzuschätzen. mehr »

Junge Ärzte müssen etwas zur Versorgung auf dem Land beitragen!

Politik und Verbände mühen sich ab, um junge Ärzte für die Versorgung auf dem Land zu begeistern. Blogger Dr. Jonas Hofmann-Eifler sieht die Verantwortung ein Stück weit auch bei sich und seinen Kollegen. mehr »

Konsequente Strategie gegen Diabetes

Angesichts der epidemischen Zunahme von Diabetes-Patienten in Deutschland, muss die nächste Bundesregierung unbedingt den Nationalen Diabetesplan umsetzen. mehr »