Ärzte Zeitung, 04.10.2005

Lösen Viren das Sjögren-Syndrom aus?

Hinweise auf Beteiligung persistierender Coxsackie-Viren / Verwechselung durch das Immunsystem

WIEN (kat). Bei epitheliotropen Viren wie dem Erreger der Hepatitis C sowie HIV und HTLV-1 ist bekannt, daß sie aufgrund der Verwechselung mit körpereigenen Strukturen Erkrankungen hervorrufen können, die dem Sjögren-Syndrom ähnlich sind. Beim Sjögren-Syndrom selbst ist das möglicherweise das Coxsackie-Virus.

Persistierende Virusinfektionen können bekanntlich aufgrund von immunologischen Kreuzreaktionen zu Autoimmunkrankheiten führen. Wie Professor Harry Moutsopoulos aus Athen bei einem Rheumatologen-Kongreß in Wien feststellte, ist zum Beispiel vom Typ-1-Diabetes, der dilatativen Kardiomyopathy oder der Myositis bekannt, daß eine persistierende Virusinfektion durch Kreuzreaktionen zu Autoimmunerkrankungen führen kann.

Für das Sjögren-Syndrom, eine Autoimmun-Epithelitis, konnte jetzt ein Coxsackie-Adenovirus-Rezeptor auf den infizierten Lymphozyten nachgewiesen werden, der die Eintrittspforte für das Virus in die Zelle ist.

Offenbar persistieren kleine RNA-Partikel des Coxsackie-Virus in Epithelzellen der Speichel- und Tränendrüsen. Unter Streß oder durch endokrine Stimuli kommt es zu einer Aktivierung von MHC-Klasse-II-Molekülen (major histocompatibility complex) und einer Verwechselung mit körpereigenen Strukturen. Die Gewebe-Verträglichkeitsmerkmale auf der Zelloberfläche sind für die Erkennung von Antigenen durch das Immunsystem wichtig. Die Antigenpräsentation und die T-Zellaktivierung werden in der Folge verstärkt.

Zudem werden die Antikörper-produzierenden B-Zellen aktiviert und Zellen verstärkt in den programmierten Zelltod getrieben. Schließlich gelangen Antigene wie das Ro-Antigen aus Zellen ins Gewebe und in das Blut. Patienten mit Sjögren-Syndrom haben bekanntlich Antikörper gegen das Autoantigen Ro - benannt nach dem Vornamen eines Patienten (Robert) - im Blut. Der aktivierte Zustand aller beteiligten Zellen hält den Circulus vitiosus aufrecht und fördert das Einwandern von Lymphozyten in das Gewebe.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Neue Arzneien zum Schutz vor Brüchen

Osteoporose wird oft übersehen. Der Welt-Osteoporose Tag rückt die Erkrankung ins Bewusstsein. Zum Schutz vor Frakturen werden derzeit neue Substanzen erprobt. mehr »

Vergangenheit, die nicht vergeht

Ramstein, Eschede, Loveparade in Duisburg: Großunglücke lassen bei Opfern und oft auch bei Einsatzkräften seelische Wunden zurück. Psychotraumatologen können den Betroffenen in der Regel gut helfen. mehr »

Politik hat die Bedeutung der Arzneimittelforschung erkannt

Gute Versorgungsideen sind in der Politik willkommen, stellte Gesundheitsminister Jens Spahn bei der Springer Medizin Gala zum Galenus-von-Pergamon-Preis klar. mehr »