Ärzte Zeitung, 20.01.2010

Interdisziplinärer Rheuma-Dialog verbessert

Für ein langfristig gutes Ergebnis kommt es bei Rheuma-Erkrankungen auf eine gute Kooperation zwischen orthopädischen und internistischen Rheumatologen an. Eine enge Verzahnung ist im Interesse des Patienten.

Interdisziplinärer Rheuma-Dialog verbessert

Beratung zu Rheuma © Klaro

Von Wiebke Kathmann

Als niedergelassener internistischer Rheumatologe mit Anbindung an eine chirurgisch ausgerichtete Klinik drehen sich Fragen in Konsultationen für Professor Hubert Nüßlein aus Nürnberg primär um die Differenzialdiagnose bei Spondylarthritiden oder Arthritis. Seltener geht es um präoperatives Vorgehen bei hohen Entzündungszeichen, also der Frage, ob eine rheumatische Erkrankung vorliegt, oder um die Beratung zu perioperativen Therapien, berichtete Nüßlein beim Rheuma-Kongress in Köln.

Was die Zusammenarbeit mit niedergelassenen Orthopäden angeht, attestierte er ihnen eine sehr präzise Überweisungsdiagnose. "Fast immer liegt ein konkreter Verdacht vor." Darunter sind zunehmend mehr Patienten mit ankylosierender Spondylarthritis, wohl wegen der inzwischen bestehenden Therapiemöglichkeit mit Biologika. Weitere häufige Überweisungsgründe sind Verdacht auf Rheumatoide Arthritis, Fibromyalgie oder Psoriasis-Arthritis. Die Patienten seien meist mit Röntgenbefund und zum Teil mit einem erstaunlich umfangreichen "Rheumalabor" ausgestattet.

Rheuma-Patienten haben meist ihren Orthopäden

Positiv hob Nüßlein auch hervor, dass die Orthopäden sich hervorragend um die Diagnose und Therapie von Patienten mit Osteoporose kümmerten. Dass die Zusammenarbeit zwischen internistischem Rheumatologen und Orthopäden auch im weiteren Krankheitsverlauf von Bedeutung ist, lasse sich schon allein daran ablesen, dass die meisten Rheumapatienten parallel "ihren" Orthopäden hätten, der gerade in der Akuttherapie eine wichtige Rolle habe, so Nüßlein.

Sind Gelenke geschädigt, ist der Stellenwert der chirurgischen Rheumaorthopädie unstrittig. Und das ist auch in Zeiten der deutlich verbesserten Frühdiagnostik und meist rechtzeitigen Gabe von immunmodulierenden Basistherapeutika weiterhin der Fall, gab der orthopädische Rheumatologe Privatdozent Klaus Schmidt aus Dortmund zu bedenken. Denn einen ACR-110, also eine 110-prozentige Symptombesserung, gebe es nicht, so Schmidt. "Der Op-Bedarf ist zwar heute deutlich verringert, dennoch wäre es gefährlich, die operativen Optionen aus dem Therapierepertoire zu verbannen." Zumal es nicht so selten ist, dass einzelne Gelenke trotz guter Basistherapie Beschwerden machen.

Wann sollte Orthopäde und Internist kommunizieren?

Die Notwendigkeit für eine Konsultation des orthopädischen Rheumatologen durch den Internisten sieht er vor allem bei der Frage nach den Ursachen einer persistierenden Gelenksymptomatik - sei es bei unklarer Genese oder bei bekannter rheumatischer Grunderkrankung. Im therapeutischen Bereich nannte er als Hauptgründe eine persistierende Synovialitis trotz Medikation und eine Arthritis mit Folgeschäden.

In diesen Fällen sollte seiner Meinung nach an einen Rheumaorthopäden überwiesen werden, da es oft wichtig sei, nicht nur am Gelenk zu operieren, sondern auch zu synovektomieren. Das werde durch Allgemeinchirurgen weniger gemacht. Besonders die rheumatische Hand gehört nach Ansicht von Schmidt in die Obhut des Rheumaorthopäden und nicht in die des Handchirurgen.

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