Ärzte Zeitung, 06.05.2010

Beckenbodengymnastik mit Klängen und Farben

Beckenbodentraining, ergänzt um neue Aspekte, ist ein wichtiger Bestandteil der Therapie bei Belastungsinkontinenz.

Beckenbodengymnastik mit Klängen und Farben

Ruhe, Entspannung und Training der Beckenbodenmuskulatur © Margarita Borodina / fotolia.com

BERLIN (eb). Beckenbodengymnastik bessert bei Frauen mit Inkontinenz die Wahrnehmung, Koordination, Kraft und Ausdauer der Beckenbodenmuskulatur. Valide Studien und Leitlinien fehlen aber noch.

Die meisten Frauen können ihren Beckenboden fühlen und bewusst anspannen, berichtete Dr. Annett Gauruder-Burmester der "Ärzte Zeitung". Diese Gruppe von Patientinnen erlernt leicht Beckenbodenübungen lebensbegleitend für den Alltag. Eine wechselnde Intensität reicht aus, nach einem dauerhaften Abbruch jedoch tritt die Inkontinenz meist erneut auf, erläuterte die Koordinatorin des Interdisziplinären Beckenbodenzentrums in Berlin.

Jenen Frauen, die ihren Beckenboden nicht bewusst anspannen können, nützen Techniken wie Elektrostimulation, Biofeedback oder Rüttelplatte. Die Entscheidung für eine dieser Methoden erfolgt nach einer Funktionsprüfung.

Ist allerdings gar keine Anspannung möglich, wird mit einer Elektrostimulation begonnen, bei Funktionsresten versucht man es mit Biofeedback. Die Gymnastik kann bereits zusätzlich zu diesen Verfahren erfolgen oder erst, wenn die Frauen die Muskeln schon etwas spüren und anspannen können.

Eine Physiotherapie sollte die komplexen Faktoren einer Beckenbodenfunktionsstörung - Wirbelsäulenerkrankungen, Kieferfehlstellungen, Gleichgewichtsstörungen - angehen. Außerdem plädiert Gauruder-Burmester dafür, die Patientinnen da abzuholen, wo sie sich mit ihrer körperlichen und psychischen Integrität gerade befinden.

Neue Aspekte, die zum Beispiel auch am Interdisziplinären Beckenbodenzentrum in Berlin erprobt werden, sind Vibrationen, Klänge, Farben, Ganzheitlichkeit.

Durch die Übungen lassen sich sowohl eine Sphinkterinsuffizienz als auch eine Dranginkontinenz mildern. Prospektiv randomisierte Studien und Leitlinien fehlten aber, bedauerte die Expertin, so dass auch Therapeuten ohne entsprechende Qualifikation das Training anbieten können. Eine engere Zusammenarbeit von Physiotherapeuten und Fachärzten würde der konservativen Therapie der Inkontinenz sehr zugute kommen.

Lesen Sie dazu auch:
Tissue Engineering gegen Stressinkontinenz

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

So hoch ist die Lebenserwartung in der Welt

Wer als Junge in Deutschland geboren wird, darf sich im Schnitt auf 78 Jahre freuen. Wie hoch ist die Lebenserwartung in anderen Ländern der Welt? Wir geben die Antwort. mehr »

Pflege-Eigenanteil deckeln!

16:41Viele Bürger beklagen, dass Pflegeheime teuer sind, berichtet die DAK in ihrem Pflegereport. Kassenchef Storm schlägt nun vor, den Eigenanteil zu beschränken. Das entflammt eine neue Debatte über die Pflege-Finanzierung. mehr »

Der Gesundheitsminister will das E-Rezept

Krankenkassen, Ärzte und Apothekerschaft sollen in ihren Rahmenverträgen das elektronische Rezept ermöglichen. Eine gesetzliche Verpflichtung soll bis 2020 stehen. mehr »