Apotheker plus, 27.08.2010

Windelversorgung ist nicht billig zu haben

Unmut in Baden-Württemberg: Die AOK setzt Grenzen bei der Abgabe von Inkontinenzprodukten. Apotheker sehen daher die qualitative Versorgung gefährdet.

Eine Versorgung der gesetzlich Krankenversicherten der AOK mit Inkontinenz-Hilfsmitteln wie Windeln, Höschenwindeln und Einlagen als Billigpauschalangebot lehnt der Landesapothekerverband Baden-Württemberg ab. "Wir müssen hier ein Zeichen setzen, denn die Tendenz in der Versorgung geht immer mehr hin zur Billigst-Unterversorgung. Die Verantwortung für eine vernünftige Versorgungsqualität der Versicherten bleibt auf der Strecke", so der Vorsitzende Fritz Becker.

Anlass für die Verärgerung ist ein geplanter Vertrag zur ambulanten Inkontinenz-Versorgung der AOK Baden-Württemberg, wonach künftig betroffene Versicherte pauschal für 33 Euro pro Monat mit Inkontinenz-Produkten versorgt werden sollen. "Wie in anderen Bundesländern schon von anderen Kassen vorgemacht, soll hier eine Vogel-friß-oder-stirb-Versorgung für vor allem Pflegebedürftige oder ältere Menschen etabliert werden", kritisiert Becker in einer Mitteilung des Landes- apothekerverbandes. "Das entscheidende Manko ist, dass alle Inkontinenzvarianten damit abgedeckt werden sollen", erläutert LAV-Vizepräsident Uwe Geiß im Gespräch mit ApothekerPlus.

Doch gerade bei schweren Inkontinenzformen reichten 33 Euro für eine umfängliche, gute Versorgung nicht. In Bayern stelle die AOK immerhin 38 Euro pro Monat für die Inkontinenzversorgung zur Verfügung. Und in Hessen habe die Kasse eine Billiglösung nach Versorgungsproblemen sogar wieder zurückgenommen. "Als Verband wollten wir daher einen Billigvertrag nicht abschließen. Es bleibt jedoch jeder einzelnen Apotheke überlassen, ob sie zu den vorgegebenen Konditionen die Versorgung übernehmen will", so Geiß.

Wenn also Ende September der bisherige Vertrag mit der AOK ausläuft, müssen sich viele AOK-Versicherte im Ländle darauf einstellen, nicht mehr ihre bisherigen Inkontinenzprodukte zu erhalten oder deutlich aufzahlen zu müssen. Problematisch schätzt der Verband auch ein, dass die Betroffenen unter Umständen den Bedarf für einen kompletten Monat oder gar das Quartal angeliefert bekommen. (run)

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