Ärzte Zeitung, 18.03.2008

Flache Adenome sind bei Koloskopie ein Problem

Bis zu fünf Prozent der Malignome oder ihrer Vorstufen werden übersehen / CT oder MRT bieten keine Vorteile

HAMBURG (nke). Die Koloskopie ist die beste Methode zur Früherkennung und Therapie von Krebsvorstufen im Dickdarm. Aber auch bei sorgfältiger Untersuchung können Malignome oder Vorstufen übersehen werden - bis zu fünf Prozent dürften es sein.

Flache Karzinome (Bildmitte) werden koloskopisch leicht übersehen.

Foto: Albertinen-Krkhs; www.endoskopiebilder.de

Ein besonderes Problem sind flache Adenome und flach eingesunkene Frühkarzinome. Diese können zum Beispiel übersehen werden, berichtet Professor Andreas de Weerth bei einer Fortbildungsveranstaltung von der Falk Foundation und dem NAV Virchowbund in Hamburg.

Das wurde gerade in einer aktuellen US-amerikanischen Studie bestätigt (JAMA 299, 2008, 1027). Andere bildgebende Verfahren wie die CT oder MRT bieten übrigens keinen Vorteil. Im Gegenteil: Damit werden flache Läsionen regelmäßig übersehen.

Die Detektionsraten bei der Koloskopie sind auch abhängig von der Polypengröße und der Untersuchungsdauer. Nachdem das Ende des Dickdarmes mit dem Endoskop erreicht ist, zieht der Untersucher das Gerät langsam zurück. Alle Anteile des Dickdarmes werden auf diesem Rückzug noch einmal gründlich betrachtet.

"Um keine Polypen zu übersehen, müssen wir uns beim Rückzug Zeit nehmen", sagte de Weerth. Der Experte für endoskopische Diagnostik und Therapie leitet die Klinik für Innere Medizin am Hamburger Diakoniekrankenhaus Alten Eichen. Nach US-amerikanischen Empfehlungen sollte das Rückziehen des Endoskops mindestens sechs Minuten dauern.

Voraussetzung für den Erfolg der Vorsorge sei die vollständige Untersuchung des Dickdarms bis zum Übergang in das terminale Ileum. Bei einer Sigmoidoskopie könnten 30 Prozent der Tumoren bei Männern und 60 Prozent der Tumore bei Frauen nicht gefunden werden.

Mehr Informationen zu Darmkrebs unter www.lebensblicke.de

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