Ärzte Zeitung, 16.02.2011

NSAR-Kolopathie imponiert wie eine Darmentzündung

KULMBACH / FRANKFURT (sec). Diskontinuierliche endoskopische und histologische Befunde im Kolon, die an einen Morbus Crohn denken lassen und diese Erkrankung nicht ausschließen, können auf die falsche Fährte führen. Erosionen, Ulzera, Strikturen und Diaphragma-Bildung können auch Zeichen einer NSAR-induzierten Kolopathie sein.

Daran erinnern die Professoren Manfred Stolte aus Kulmbach und Franz Hartmann aus Frankfurt/Main mit der Kasuistik eines 39jährigen Patienten mit wässrig-blutiger Diarrhoe und Stenose im Colon transversum, die histologisch als "vereinbar mit Morbus Crohn" gedeutet worden sei (Z Gastroenterol 2010; 48: 472).

Der Patient sei zunächst - erfolglos - mit Glukokortikoiden behandelt worden. Nach operativer Therapie der Stenose hätten die blutigen Diarrhoen persistiert, und endoskopisch seien wiederum Erosionen und Ulzera im Colon transversum entdeckt worden, berichten Stolte und Hartmann. Auch die Umstellung der Therapie auf Azathioprin half nicht weiter.

Bei der konsiliarischen Begutachtung der histologischen Präparate wurde dann die Verdachtsdiagnose einer NSAR-induzierten Kolopathie geäußert. Die Analyse der Krankengeschichte brachte die Lösung: Der Patient war an Morbus Bechterew erkrankt und wurde seit längerer Zeit mit Diclofenac behandelt.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Europäische Impfwoche - Same procedure as last year!

Heute starten die Europäischen Impfwochen. Am Beispiel Masern werden beträchtliche Defizite in Deutschland deutlich - und dass es seit Jahren kaum Fortschritte gibt. mehr »

Blick ins Gehirn offenbart beste Therapie-Option

Einige Depressive sprechen besser auf Verhaltenstherapien an, andere auf Antidepressiva. Ein Blick ins Hirn per fMRT zeigt, welcher Ansatz den meisten Erfolg verspricht. mehr »

Milliarden für die Versicherten – Kassen bleiben skeptisch

Erster Aufschlag des neuen Gesundheitsministers: Jens Spahn will gesetzlich Versicherte per Gesetz entlasten. Aus Richtung Kassen und Opposition weht scharfer Gegenwind. mehr »