Ärzte Zeitung, 10.05.2004

BUCHTIP

Gerichtsmedizinerin im "Schattenreich"

Von Kerstin Schneider

Ein trüber Vormittag auf dem Friedhof. Rechtsmedizinerin Leonie Simon besucht das Grab ihrer Mutter und findet dabei die Leiche eines erschossenen Mannes. So beginnt Renate Kampmanns spannender Krimi "Im Schattenreich", den sie jetzt im Berliner Institut für Rechtsmedizin am Campus Benjamin Franklin vorgestellt hat.

Es hätte keinen besseren Ort für eine Lesung geben können, in der eine junge Ärztin mit Sinn für Mordfälle die Hauptrolle spielt. Eine schmale Treppe in der schönen Dahlemer Villa führt nach unten in den Sektionssaal, das eigentliche Herz des Hauses.

Hier liegt das "Schattenreich" des Instituts, der Raum, in dem die Leichen seziert werden. 600 sind es im Jahr, insgesamt werden in Berlin 2500 ungeklärte und nichtnatürliche Todesfälle obduziert. Daneben werden auch schon mal Krimiautoren und Maskenbildner beraten.

Leonie Simon ist die erste Rechtsmedizinerin in der deutschen Krimiliteratur, eine patente Figur, sehr glaubhaft dargestellt, dabei sympathisch in ihrer Verschrobenheit. Die Autorin hat genau recherchiert und in der Hamburger Rechtsmedizin hospitiert, um ihre Kenntnisse zu erweitern.

Ein konkretes Vorbild für die Leonie-Figur gibt es nicht, doch die Fälle, die sie beschreibt - und in ihrem Buch müssen einige Menschen ihr Leben lassen - sind zum Teil sogar authentisch. "Aber ich habe sie natürlich verfremdet", beteuert die 51jährige, die als Drehbuchautorin für TV-Serien wie "Bella Block" und "Das Duo" bekannt wurde.

"Im Schattenreich" ist nach "Die Macht der Bilder" der zweite Leonie-Simon-Roman. Darin will die smarte Hamburger Ärztin den Mord an ihrer Mutter klären, der 25 Jahre zurück liegt. Doch was haben die aktuellen Morde an einem Polizisten und einer jungen Frau mit dieser alten Geschichte zu tun?

Leonie Simon gerät in einen Strudel von Gewalt und Verbrechen und wird selbst schwer verletzt. Spannend ist "Im Schattenreich" vor allem, weil sich Leonie immer wieder in die Polizeiarbeit hineindrängt. Doch Kampmann geht es auch darum, die vielen Facetten der Arbeit einer Rechtsmedizinerin darzustellen.

"Warum hängen hier denn Schöpfkellen?", will eine Besucherin der Lesung im Sektionsraum wissen. Um Blut abzuschöpfen, erklärt die Assistentin des Instituts geduldig. Rechtsmedizin regt die Phantasie der Leser an. Institutsleiter Volkmar Schneider sicherte nicht nur ein Exemplar des Kriminalromans für sich selbst. Er nahm auch Bücher für zwei Beamte der Berliner Mordkommission mit.

Renate Kampmann: Im Schattenreich. Ein Leonie-Simon-Roman. Kindler Verlag. Berlin 2004. 512 Seiten. 19,90 Euro.

Topics
Schlagworte
Panorama (30881)
Personen
Benjamin Franklin (108)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Würden Ärzte Gröhe wählen?

In einer großen Umfrage fragten wir Ärzte: "Wenn der Bundesgesundheitsminister direkt vom Volk gewählt werden könnte, wen würden Sie wählen?" Lesen Sie hier die Antwort. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »