Ärzte Zeitung, 09.09.2004

Die deutschen Kinder- und Jugendärzte feiern Jubiläum

Heute beginnt die 100. Jahrestagung / Von den 97 Gründungsvätern der Gesellschaft kamen 40 aus dem Ausland

Die deutschen Kinderärzte feiern in diesem Jahr ein Jubiläum: Heute beginnt in Berlin die 100. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin.

Die erste Tagung fand im Jahr 1883 statt, als die "Gesellschaft für Kinderheilkunde" gegründet wurde. Diese Gründung habe im Kontext der allgemeinen Fächerdifferenzierung in der Medizin gestanden, sei aber "eher eine Zwischenstufe in einer längeren kontinuierlichen Entwicklung" gewesen, so der Freiburger Medizinhistoriker Professor Eduard Seidler.

Leidenschaftliche Diskussionen über Nutzen der Kindermedizin

Denn zu kaum einem anderen Zeitpunkt sei so leidenschaftlich über Nutzen und Nachteil der Kinderheilkunde debattiert worden wie damals. Seit 1868 fanden bei der heute noch bestehenden, 1822 gegründeten "Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte" jährlich Sitzungen einer "Sektion für Kinderheilkunde" statt. "Dort trafen sich Vertreter aller medizinischen Fächer, um über dringende Probleme von Kindern zu diskutieren; eigentliche Kinderärzte gab es noch kaum", so Seidler.

Von Anfang arbeiteten die deutschen Kinderärzte mit Kollegen aus dem Ausland zusammen. Zu den 97 Gründervätern der Gesellschaft gehörten 40 ausländische Kollegen. Das änderte sich nach dem Ersten Weltkrieg: 1921 sei es zur, wie es damals hieß, "Verdeutschung" gekommen, die Gesellschaft wurde umbenannt in "Deutsche Gesellschaft für Kinderheilkunde", berichtet Seidler. Das internationale Flair gibt es aber heute wieder. So wird die Jubiläumstagung in Berlin zusammen mit der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde veranstaltet.

Wie in der gesamten Medizin war die Entwicklung Anfang des letzten Jahrhunderts auch in der Kinderheilkunde "stürmisch", so der Medizinhistoriker: "Bakteriologie, Serologie, Ernährungslehre und andere Grundwissenschaften vermittelten einen neuen Zugang zu den gefürchteten Kinderkrankheiten. Nach 25 Jahren (1908) war man gewiß, sich bereits am Ende der ,Jugend- und Schuljahre dieser Disziplin‘ zu befinden."

Kinderheilkunde steht vor einem Umbruch

Heute steht die Kinderheilkunde vor einem Umbruch: "Die Gesundheitsökonomie fordert neue Vergütungssysteme, und zur Sicherung der Qualität sind neue Versorgungsstrukturen erforderlich", so Tagungspräsident Professor Gerhard Gaedicke. "Dabei Bewährtes zu erhalten und die Entwicklung des Neuen zu fördern, fordert Erfahrung, Augenmaß, aber auch Mut zur Innovation." Berlin, eine Stadt, in der es gelungen ist, Mauern und Grenzen zu überwinden, sei ein hervorragender und symbolträchtiger Ort für diese Zielsetzung. (ug)

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