Ärzte Zeitung, 08.03.2006

Der Medicus erklärt, wie die alten Römer Medizin betrieben haben

Historien-Darsteller Friso Krüger spielt im Museum einen römischen Militärarzt

HANN.MÜNDEN (pid). "Antike Sprechstunden" hält Friso Krüger. Der 26jährige reist als Historien-Darsteller durch die Lande. Als römischer "Medicus" zeigt er in Museen oder bei historischen Festen und Märkten, wie bei den alten Römern Medizin betrieben wurde.

Römische Soldaten mußten einiges aushalten: Medicus-Darsteller Friso Krüger zeigt eine Säge, wie sie für Amputationen benutzt worden ist. Fotos: pid

Krüger ist Heilpraktiker und hat eine Praxis in Lüneburg. Sein medizinisches Wissen unterscheide ihn von anderen Darstellern, meint er: "Wenn ich etwas über das Schröpfen erzähle, dann weiß ich eben auch, wie das geht."

An diesem Sonntag ist er im Städtischen Museum in Hann.Münden zu Gast. Dort ist derzeit eine Ausstellung über das nördlichste Römerlager zu sehen. "Ich bin der Medicus", stellt sich Krüger den 180 Besuchern vor, die gespannt seine antike Sprechstunde verfolgen.

Als Medicus trägt er historische Kleidung aus Schurwolle und Leinen. "Baumwolle war damals zu teuer." Nicht nur bei der Kleidung bemüht sich Krüger um Authentizität. Die medizinischen Instrumente, die er zeigt, sind Nachbildungen von historischen Funden. Dabei kommt es entscheidend auf die Datierung an.

Katheter, Knochenheber, Nadeln, Zangen und Skalpelle gehörten zu den Instrumenten eines römischen Militärarztes.

Krüger spielt einen römischen Militärarzt aus dem ersten Jahrhundert nach Christi Geburt, deshalb kommen beispielsweise nur bestimmte Skalpellgriffe in Frage: Die Instrumente in der frühen Kaiserzeit wurden ohne Ornamente angefertigt, später gab es dann florale Muster.

Außer Skalpellen kamen bei den alten Römern aber auch martialisch anmutende Geräte zum Einsatz, bei Knochenerkrankungen beispielsweise Hammer und Meißel, bei Schädelverletzungen auch ein Hohlbohrer.

Gegen bakterielle Entzündungen der Wunden setzten die römischen Militärärzte Giftstoffe ein. Krüger zeigt die Apotheke des Medicus. In den Fläschchen sind Alaun, Schwefel, Grünspan und Bleioxid. Amputationen wurden mit der Säge vorgenommen, zur Betäubung bekamen die Patienten Opium, Bilsenkraut oder Alkohol verabreicht. Die Dosis des Betäubungsmittels sei in der Regel so bemessen gewesen, "daß nur die Schmerzspitze gekappt wurde", erklärt der Medicus - "sonst wären die Leute überhaupt nicht wieder aufgewacht".

Mohnkapseln und Fläschchen mit Schwefel oder Grünspan: die Apotheke eines Medicus’.

In jeder römischen Legion gab es mindestens ein Dutzend Ärzte, hinzu kamen noch Spezial- und Leibärzte. Die Hauptaufgabe der Militärarzte lag indes nicht in der Chirurgie, vielmehr kümmerten sie sich hauptsächlich um die Gesunderhaltung der Soldaten. "Die Schwerpunkte der römischen Medizin lagen auf der Diätetik und Balneologie", erklärt Krüger.

Der Dienst in der Armee sei durchaus beliebt gewesen. Vor allem Wundärzten habe sich dort die Möglichkeit geboten, ihre Sicherheit und Fertigkeit im Umgang mit Verletzten zu verbessern. Anders als heute habe es keinerlei Berufsordnung gegeben, erläutert der Medicus-Darsteller.

Arzt konnte sich jeder nennen, eine vorgeschriebene Ausbildung gab es nicht: "Das Prüfungsfeld war der Patient." Das römische Gesundheitswesen sei im übrigen eine Mehrklassenmedizin gewesen: Ob und wie gut jemand medizinisch versorgt wurde, war eine Frage des Geldbeutels.

Weitere Informationen im Internet unter www.medicus-romanus.de

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