Ärzte Zeitung, 22.09.2006

UND SO SEH' ICH ES

Ahnungslos oder boshaft, das ist die Frage

Wissen ist gut - Halbwissen eine Blamage, das glossiert auch ein alter Witz. Da fragt einer den anderen: "Sag mal, was heißt eigentlich a priori?" Die Antwort: "Von vornherein." Daraufhin der Fragende: "Besten Dank, jetzt weiß ich auch, was a posteriori heißt..."

Auf diese Pointe werden wir noch zum Schluß zurückkommen, doch zuerst eine Frage. Was ist schlimmer: Wenn Journalisten unwahre Behauptungen aufstellen - oder wenn sie von der Sache, über die sie berichten, nicht einmal den blassesten Schimmer einer Ahnung haben? Die Antwort: Kein Unterschied, beides ist schlimm. Was ist aber noch schlimmer? Wenn beides zugleich zutrifft.

Ein Beispiel dazu hat das ZDF-Magazin "Frontal 21" geliefert. Seit längerer Zeit schon lanciert es mit Vergnügen immer häufiger Berichte, die die Ärzte, den Arztberuf und die ärztliche Selbstverwaltung in ein negatives Licht stellen.

Die Autoren dieser Beiträge zeichnen sich dabei durch absolute Unkenntnis der Gesetze, Vorschriften und der Zusammensetzung von Gremien der ärztlichen Selbstverwaltung aus. Und, als wäre das noch nicht genug, stimmen meist weder Tatsachen noch Umstände.

    Die KV Berlin geht mit Erfolg gegen einen TV-Bericht vor.
   

Beispielsweise weiß jeder Zeitungsleser, daß die gesetzliche Krankenversicherung ihren Versicherten keine optimale, sondern lediglich eine wirtschaftliche Behandlung gewährt. Anscheinend wissen das jedoch nicht die Redakteure von "Frontal 21".

Was sowohl die Zuschauer ärgert, die diesen falschen Stories zunächst einmal Glauben schenken und erst in der Arztpraxis die Wahrheit erfahren, als auch die Ärzte, die sich einmal mehr zu Unrecht angeklagt und beschuldigt und ungerecht behandelt fühlen.

Jetzt hat sich endlich einmal eine KV zur Wehr gesetzt und das ZDF-Magazin vor Gericht in die Schranken gewiesen. Die KV Berlin klagte erfolgreich gegen "Frontal 21" und erstritt eine einstweilige Verfügung, die dem Sender verbietet, unwahre Behauptungen zu wiederholen. Die Redakteure hatten munter Behauptungen über Regreßverhandlungen im Prüfungsausschuß der KV mit einem Neurologen in die Welt gesetzt, die offensichtlich falsch waren.

Anderen KVen sei eine ähnliche Courage empfohlen. Es ist höchste Zeit, daß sich die Ärzte gegen die immer wiederkehrenden Falschberichte durch TV-Politmagazine wehren. Und für "Frontal 21" sollte es eine Lehre sein. Die Doctores beklagen sich nicht über das ZDF, das in seinen Nachrichtensendungen regelmäßig über Ärzte und über ihre Schwierigkeiten bei der täglichen Arbeit objektiv berichtet. Für "Frontal 21" sind die ZDF-Nachrichtensendungen aber entweder unbekannt oder uninteressant - das eine wie das andere ist schlimm genug.

Den Verantwortlichen der Redaktion von "Frontal 21" wäre daher "a priori" zu empfehlen, die, die ihnen diese von der Wahrheit weit entfernten Beiträge liefern, freundlichst mit einem "a posteriori" zu verabschieden - meint

Ihr Ironius

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