Ärzte Zeitung, 28.07.2008

"Tour de France war keine Tour der Erneuerung"

In diesem Jahr wurde bislang ein Dopingsünder mehr überführt als 2007 / Noch nicht alle 420 Dopingtests komplett ausgewertet

PARIS (dpa). Die 95. Tour de France war ein gutes Stück entfernt vom propagierten "Neuanfang" nach den Skandal-Jahren 2006 und 2007. Aktuellster Beleg dafür war der unmittelbar nach Tourende am Sonntag bekanntgewordene vierte Dopingfall des Kasachen Dimitri Fofonow, der des Dopings mit dem Stimulantium Heptaminol überführt wurde.

Damit wurde die Doping-Marke des Vorjahres, als es drei Fälle gab, bisher um einen Positiv-Befund übertroffen. Trotzdem waren in der Gesamtbetrachtung "erste Schritte in die richtige Richtung" wie Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer meinte, zu registrieren.

Im Anti-Doping-Kampf, der die Tour zehn Jahre nach der Festina-Affäre traditionell auch diesmal in Atem hielt, bleibt noch ein weiter Weg zurückzulegen - der Fall Fofonow ist der beste Beweis dafür. Auch wenn Verbandspräsident Rudolf Scharping "massive Fortschritte" im Kampf gegen Manipulationen ausmachte: "Das war keine Doping-Tour."

Deutsche Teilnehmer sehen erste Schritte in die richtige Richtung.

Nach Fofonow, dem nach Angaben der französischen Anti-Doping-Agentur AFLD "eine sehr hohe Dosis" des die Durchblutung fördernden Mittels nachgewiesen wurde, kann es noch schlimmer kommen: Bis zum Tourende waren rund 420 Doping-Kontrollen vorgenommen worden, deren Ergebnisse noch nicht komplett vorliegen. Der 31-jährige Kasache, 19. der Gesamtwertung, wurde noch am Sonntag von seinem Team suspendiert.

Aber Holczer, der weiter nach einem Nachfolge-Sponsor sucht und sich nur noch eine gute Woche Zeit gibt, sieht Mut machende Zeichen im Anti-Doping-Kampf. "Die Wahrscheinlichkeit, dass keiner der ersten Zehn der Tour manipuliert hat, ist realistischer denn je. Wir sind auf gutem Weg zu erfahren, wer wirklich die Besten sind", sagte der 54 Jahre alte Schwabe. "Vernünftige Ansätze" sah sein Fahrer Sebastian Lang im Rückblick: "Der Tour-Veranstalter ASO macht es richtig, die Schwarzen Schafe endlich kompromisslos rauszuwerfen".

Schon nach der 1. Etappe in Plumelec war der Spanier Manuel Beltran, ein ehemaliger Team-Kollege von Lance Armstrong und Jan Ullrich, positiv auf EPO getestet worden. Es folgten beim Zeitfahren in Cholet sein Landsmann Moises Dueñas Nevado und der zweifache italienische Etappengewinner und vorher als Mitfavorit gehandelte Riccardo Ricco.

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