Ärzte Zeitung, 07.10.2008

Wann Go-go-Girls gut verdienen: Nobelpreis für Pseudo-Erkenntnisse

Forschungsarbeiten, die niemand braucht, wurden mit dem "Ig-Nobel-Preis" geehrt

FRANKFURT/MAIN (Smi). Wirken teure Placebos besser als günstige? Springen Hundeflöhe höher als Katzenflöhe? Und welche Rolle spielt das Gürteltier in der Weltgeschichte?

Wann Go-go-Girls gut verdienen: Nobelpreis für Pseudo-Erkenntnisse

Stripperin an der Stange - wann sie besonders gut verdient, haben Forscher ermittelt.

Foto: imago

Forscher, die Antworten auf diese und ähnliche Fragen gefunden haben, sind jetzt in Boston geehrt worden: Im Sanders Theater der Harvard-Universität von Cambridge erhielten sie einen von insgesamt neun "Ig-Nobel-Preisen", mit denen wissenschaftliche Arbeiten ausgezeichnet werden, die einen "zuerst zum Lachen und dann zum Nachdenken bringen".

Der Ig-Nobelpreis ("ignobel", englisch für "schändlich, unwürdig") wird seit 1991 verliehen. Bedingung für eine Nominierung ist, dass die Entdeckung "nicht wiederholt werden kann oder wiederholt werden sollte". Den Ig-Nobelpreis für Medizin erhielt der US-Wissenschaftler Professor Dan Ariely von der Duke University in Durham im US-Bundesstaat North Carolina.

Er hat in einer Studie nachgewiesen, dass teure Placebos besser wirken als billige. Dazu verabreichte er 82 Probanden Placebos, die er als Analgetika ausgab, und zwar der Hälfte scheinbar teure, der anderen Hälfte "Pillen vom Discounter". Unter leichten Elektroschocks zeigte sich, dass die Schmerztoleranz der ersten Gruppe deutlich höher ausfiel als die der zweiten Gruppe (JAMA 299, 2008, 1016).

Der Ig-Nobelpreis für Biologie ging an französische Wissenschaftler um Marie-Christine Cadiergues von der École nationale vétérinaire de Toulouse für ihre Entdeckung, dass Hundeflöhe höher springen als Flöhe, die auf Katzen leben.

Die Auszeichnung in der Kategorie Wirtschaft erhielten Wissenschaftler um Geoffrey Miller von der University of New Mexico für ihren Nachweis, dass Stripperinnen während ihrer fruchtbaren Tage deutlich mehr verdienen als üblich. Astolfo Gomes de Mello Arauji und Carlos Macelino von der Universität São Paulo schließlich bekamen den Ig-Nobelpreis für Archäologie, indem sie nachwiesen, dass Gürteltiere archäologische Fundstätten durcheinanderwirbeln und damit die Deutung der Weltgeschichte mitbestimmen.

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